Flores Chainomillae vulgaris. 409
ten und kegelförmigen Fruchtboden, Ihr Kelch oder ihre gemeinschaftliche Blü-thenhülle ist mit linienförmigen, fast dachziegelartig sich deckenden und nichttrockenen Schuppen besetzt. Die zusammengesetzte strahlige Blumenkrone istmit zahlreichen, rührigen, eigelben Blümchen auf der kegelförmigen Scheibeangefüllt und mit zwölf bis dreizehn zungenförmigen weissen Strahlblümchenbekränzt.
Die Malricaria inodora , oder auch Chrysanthemum inodorum genannt, hat eben-falls zusammengesetzte Blumen mit gelber Scheibe und weissem Strahl. Siehaben einen markigen, halbkugelförmigen Fruchtboden. Sie unterscheiden sichwesentlich von der ächten Kamille 1) durch den Mangel an Geruch, wie schonder Speciesnamen ausspricht, 2) die Blumen sind viel grösser als bei der Ka-mille, 3) die Schuppen des Kelches ( involucrum ) sind am Bande trocken, 4) derFruchtboden ( [receptaculum ) ist innerhalb markig und nicht hohl, wie bei derKamille.
Die Blumen von Anthemis Cotuta haben dem äusseren Ansehen nach einigeAehnliehkeit mit der Kamille, sie unterscheiden sich aber bei näherer Prüfungdavon sehr auffallend, 1) durch den widrigen, etwas stinkenden Geruch unddurch einen scharten Geschmack, 2) die Blumen sind grösser, 3) der Frucht-boden ist mit Spreublättchen besetzt und mit Mark gefüllt und nicht hohl, wiebei der Kamille.
Die Blumen der Anthemis arvensis sind ebenfalls mit gelber Scheibe undweissem Strahle versehen, haben einen mit Mark gefüllten halbkugelförmigenFruchtboden, der mit naehenl'örmigen Spreublättchen versehen ist. Sie unter-scheiden sich von der ächten Kamille 1) durch vollkommene Geruchlosigkeit,2) durch den gefüllten und mit Spreublättchen besetzten, anfangs gewölbten,später eikegeliormigen Fruchtboden, der bei dep ächten Kamillen nackt, hohlund stets kegelförmig ist.
Die Kamillenblumen werden im Sommer in der vollen Entwickelung derBlüthe gepflückt und von dem Apotheker, nach gehöriger Prüfung der Aecht-heit, gewöhnlich pfundweise angekauft. Sie dürfen nicht nass von Bogen oderThau, sondern wo möglich an trockenen Tagen am Nachmittage eingesammeltwerden. Man hat darauf zu achten, dass keine Blätter und lange Blumenstielemit einschlüpfen. Die Blumen werden sogleich auf dem Trockenspeicher aus-gebreitet und trocknen gelassen. Bei günstigem warmem Sommerwetter kannman sie hier vollkommen in 3 Tagen austrocknen. Man kehrt sie Nachmittagszwischen 3 und 4 Uhr, wo die Temperatur des Speichers aufs Höchste gestie-gen ist, zusammen, und bringt sie in die Aufbewahrungsgefässe. Wegen dergrossen Menge des Bedarfs werden sie gewöhnlich in hölzernen Kasten unter-gebracht. Ich ziehe aber auch hier grosse Blechkasten vor, welche, da man dieBlumen fest zusammenpressen kann, nicht eben sehr kolossal zu sein brauchen.Sie halten sich darin mehrere .fahre vortrefflich. Es ist sehr zweckmässig, sichauf diesen Fall einzurichten, da es Missjahre für Kamillen, wie für anderePflanzen giebt. In dem schlimmen Jahre 1846, wo, ausser dem Weine, fast alleFeldfrüchte verkümmerten, ist auch das grosse Unkraut, die Kamille, sehr schlechtgerathen. Wären nicht viele Apotheker mit einem zweijährigen Verrath ver-sehen gewesen, so hätten die kleinen Vorräthe der Droguisten nicht entferntdas Bedürfniss gedeckt. Von den Kamillenblumen enthält die Pharmacopoe eindestillirtes Wasser, das reine ätherische Oel und das absichtlich mit Citronenölverfälschte. — Syngenesia superßua, Cl. XIX, Ord. 2.
Mohr, Commentar. 26 *