28
Kali eliloricum cruduni.
stanz gerettet, die % des entwickelten Chlors gehen nach wie vor verloren,und es scheint kein Mittel zu geben, diesen Uebelstand jemals zu beseitigen.Die wohlfeilere Basis, welche man an der Stelle des Kalis substituirt, ist Kalkund man hat also auf 1 Atom kohlensaures Kali 5 Atome Kalk in Wechsel-wirkung zu bringen. Da aber das gereinigte kohlensaure Kali mindestens 10Procent fremde Salze und Wasser enthält, meistens sogar 15 Procent, so istauch diesen Rechnung zu tragen ; 1 At. kohlensaures Kali wiegt 69,2, und 5At. Kalk wiegen 5.28 = 140. Man hat also dem Kalk auch 10 Procent abzu-ziehen, und nur 126 statt 140 zu nehmen. Demnach sind auf 69,2 gereinigteskohlensaures Kali 126 gebrannter Kalk, oder in kleinern Zahlen auf 7 kohlen-saures Kali 12'/, gebrannter Kalk zu nehmen.
Der gebrannte Kalk wird nun mit siedend heissem Wasser zum schmanti-gen Brei gelöscht, dann das kohlensaure Kali in Wasser gelöst zugesetzt, unddas Ganze so weit verdünnt, dass es 8 bis 10 Mal so viel wiegt, als das ange-wendete kohlensaure Kali. Offenbar ist dies Gemenge nichts Anderes als eineMilch von Aetzkali, überschüssigem Aetzkalk und dem gebildeten kohlensaurenKalk. Diesen Brei bringt man in einen kurzhalsigen Kolben, erwärmt ihn aufdem Dampfbade und leitet nun einen reichlichen Strom von Chlorgas hinein,welches man am einfachsten aus Braunstein *) und roher Salzsäure entwickelt.Weil aber das Chlorgas nicht so rasch und vollständig wie andere wasserbegie-rige Gase verschluckt wird, so bringt man das Gemenge in eine weithalsige oder
zweihalsige Flasche (Fig. 4), aus der dasGas in eine zweite Flasche, die einenganz gleichen Satz wie die erste enthält,übergeht. Der in der ersten Flasche un-verschluckt durchgegangene Theil desChlorgases wird in der zweiten absorbirt,und der Inhalt der zweiten Flasche wirdl>ei Fortsetzung der Arbeit, wenn dasGemenge der ersten Flasche klar gewor-den ist, in die erste gebracht, und diezweite Flasche mit einem neuen beschickt.In dieser Art wird alles Chlorgas zumvorliegenden Zwecke nutzbar verwendet.Das Gefäss, woraus das Chlorgas ent-wickelt wird, braucht nicht so gross zusein, dass es die ganze erforderlicheMenge Gas mit einer Beschickung aus-gebe, sondern es wird, wenn die Chlor-entwickelung zu Ende geht, mit neuen In-gredienzien gefüllt. Hierbei ist zu bemerken, dass man Braunstein im Ueber-schusse anwende, weil er nicht verloren geht, während die Salzsäure in Chlor-gas verwandelt wird und nicht als solche überkochen kann. Die Chlorentwicke-lung wird so lange fortgesetzt, bis der Gehalt des ersten Kolbens fast ganz klargeworden ist. Man nimmt nun den Kolben oder die Flasche weg, setzt diezweite an ihre Stelle, und bringt an die Stelle der zweiten Absorptionsflaschcein neues Gemenge aus Aetzkalk, kohlensaurem Kali und Wasser. Das fertigeGemenge erhitzt man so lange im Wasserbade, bis es seinen Geruch nach Chlorganz verloren hat, verdünne noch etwas mit Wasser, erhitze bis zum Kochenund filtrire noch siedend heiss durch ein weisses Papier. Die Lauge stelle man
Fig. 4.
*) 8. Liijuor Chlor!.