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Commentar zur Preussischen Pharmacopoe : nebst Uebersetzung des Textes : für Apotheker, Aerzte und Medicinal-Beamte / nach der sechsten Auflage der Pharmacopoea Borussica bearbeitet von Friedrich Mohr
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Kreosotum.

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riecht sehr durchdringend unangenehm rauchähnlich, nicht stinkend, in verdünn-tem Zustande geräuchertem Fleische oder Bibergeil ähnlich. Der Geruch haftetsehr lange. An Stellen, wo die Haut zart ist, erzeugt es einen weissen Fleckund die Haut löst sich ab. Es ist bei gewöhnlicher Temperatur etwas flüchtig,was sein starker Geruch beweist, es siedet aber erst bei 162,4" R. (203" Cent.).Ohne Docht ist es schwer entzündlich, verbrennt aber dann mit stark rossenderFlamme. ' In der Luft verändert es sich nicht. Es ist in ätzenden Alkalienlöslich. Bei gewöhnlicher Temperatur nimmt es ‘/ 10 seines Gewichtes an Wasserauf, dagegen löst Wasser nur l 1 /, Proc. Kreosot auf. Hat man Kreosotwasserdarzustellen, mit bestimmtem Gewichte von Kreosot, so löst man dieses erst ineinigen Tropfen Weingeist und setzt dann das Wasser unter Umschütteln zu.

In Weingeist, Aether, Schwefelkohlenstoff und Eisessig löst es sich in jedemVcrhältniss auf.

Es übt eine besondere conservirende Kraft auf Fleisch und thierische Stoffeaus, indem dieselben, mit einer verdünnten Lösung davon bestrichen, eintrock-nen, aber nicht faulen. Sein Name ist von dieser Eigenschaft abgeleitet. Esist von Reichenbach entdeckt worden.

Nachdem das nach der Reichenbach’sehen Methode bereitete Kreosotlange Zeit in Gebrauch war, wurde es ohne seinen Namen zu andern durcheinen ganz anderen Körper verdrängt, der davon wesentlich verschieden ist.Dieser Irrthum wurde durch das oft bis in’s Lächerliche gehende Bestreben, alleStoffe farblos darzustellen, herbeigeführt. Man hatte nämlich bemerkt, dassdas aus Buchenholztheer dargestellte Kreosot mit der Zeit eine dunkle Färbungannimmt, und dass es durch noch so viele ^Destillationen wieder farblos hergestellt,immer wieder nachdunkelt. Eine gewisse Aehnlichkeit des Geruches mit dendurch die Destillation des Steinkohlentheers erhaltenen Substanzen führte zuden Versuchen, aus dem Steinkohlentheer Kreosot zu bereiten, welche in sofernvon Erfolg begleitet, als man eine dem Kreosot ähnliche Substanz von vollkom-mener Farblosigkeit erhielt, welche die für die Fabrikanten und Handelsleuteso wünschenswerthe, für den Gebrauch aber ganz gleichgültige Eigenschaft be-sass, mit der Zeit nicht nachzudunkeln. Bei der Leichtigkeit, womit man grosseMengen Steinkohlentheer aus der Gasbeleuchtung erhielt, wurde bald der Marktmit Steinkohlentheer-Kreosot überschwemmt, das ächte Kreosot nicht mehr be-gehrt, später zurückgewiesen, und konnte nur mit Verlust zu erniedrigten Prei-sen abgesetzt werden. Das Steinkohlentheer-Kreosot hatte allerdings einen et-was verschiedenen Geruch, allein man schrieb dies der Gegenwart eines nebendem Kreosot vorhandenen Körpers zu, so wie man auch in dem Holztheer-Kreo-sot einen solchen Stoff annahm, welcher die dunkele Färbung durch Oxydationbewirkte, und den man ebenfalls nicht entfernen konnte. In sofern hatte mannichts verloren, dagegen glaubte man das gewonnen zu haben, dass der fremdeStoff im Steinkohlentheer-Kreosot nicht das ärgerliche Braunwerden mehr nachsich zog, und dass man eine unveränderliche Waare hatte. Da nun auch diechemische Zusammensetzung des ächten Kreosots noch nicht, absolut feststand (undnoch nicht feststeht), so konnte man sich auf analytischem Wege auch keine Ge-wissheit verschaffen. Wegen der Aehnlichkeit des Geruches, wegen des Umstandes,dass das meiste im westlichen Deutschland producirte Kreosot aus Steinkohlentheerherrührte und ohne Widerrede Eingang in die Pharmacie fand, endlich dadurch,dass Gmelin in seinem vortrefflichen Handbuch der Chemie geradezu Rei-chenbach’ s Kreosot, Runge’s Carbolsäure, und Laurent’s Phänylsäure*)unter dem Capitel Carbolsäure gemeinschaftlich abhandelt, hatte sich unter den

) Von (paCviü tauchten, scheinen (Gasbeleuchtung) und vXr\ Stoff.