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Seeale cornutum.
fester und im reinen Zustande auch etwas weisser als Ochsentalg. Bei gewöhn-licher Temperatur sind alle ziemlich fest. Sie zeichnen sich durch einen eige-nen, etwas unangenehmen Geruch aus. Sie sind sehr dem Ranzigwerden unter-worfen.
Seeale cornutum. Mutterkorn.
Seeale cereale Linn. Gramineae.
Fast cylmdrisclie, meistens gekrümmte, häufig der Länge nachrunzlige, sechs Linien bis einen Zoll und darüber lange Körner,aussen von einer violetten und graubraunen Farbe, innen besondersgegen den Umfang hin von einer fahlen, etwas violetten Farbe undetwas scharfem Geschmacke. Es sind die missgebildeten Körnerdes Roggens. Am besten sind die von noch grünenden Halmengenommenen. Sie sollen in gut verschlossenen Gefässen und nichtüber ein Jahr lang aufbewahrt werden.
Dieses specifische Heilmittel muss mit besonderer Sorgfalt eingethan undzubereitet werden, weil man im vorkommenden dringlichen Falle mit grosserBestimmtheit auf seine Wirksamkeit rechnen können muss. Die unverändertenSamen müssen von der besten Beschaffenheit sein, und es ist sehr zweckmässig,wenn man den im Ganzen geringen Bedarf selbst einthun oder einthun lassenkann, um seiner Frische versichert zu sein. Ein Theil davon wird als feinesPulver, ein anderer als gröbliches Pulver zu Infusionen vorbereitet. BeidePulver müssen sehr trocken eingethan werden, weil sie im feuchten Zustandedem Milbenfrasse unterworfen sind. Am besten trocknet man sie in dem Chlor-calciumtopfe aus, indem man sie auf Tellern oder auf Papier ausbreitet undso acht Tage lang stehen lässt. Das vollkommen trockene Pulver wird in eng-halsige Glässer gebracht und darin wohl verschlossen aufbewahrt.
Ausser der directen Anwendung des Mutterkorns als Pulver und Infnsumhat man auch verschiedene Präparate durch Extraction daraus dargestellt, denenman die specifischen Wirkungen dieses Heilmittels zuschrieb. Ueber diesen Ge-genstand herrscht eine wahre Verwirrung, indem selten die pharmaceutischenPräparationen durch physiologische, niemals durch therapeutische Beobachtun-gen und Versuche unterstützt wurden. Der Aether zieht aus dem Mutterkorneeine grosse Menge eines fetten Oeles aus, dem Einige die ganze Wirksamkeitzuschreiben. Wie sehr eine solche Behauptung in’s Blaue gemacht ist, gehtdaraus hervor, dass man*) Thieren von 2 Drachmen bis zu 1 Unze davon anteinmal gegeben, ohne bei denselben andere Erscheinungen, als eine vorüberge-hende Appetitlosigkeit zu bemerken. Es steht deshalb fest, dass in dem vonAether ausgezogenen Oele die Wirksamkeit nicht beruht. Dagegen macht dergrosse Gehalt an Oel, dass die in Wasser löslichen Stoffe wegen ihrer Umhül-lung mit Oel durch den wässerigen Aufguss nicht benetzt und ausgezogen wer-den können. Es wird deshalb nicht unpassend empfohlen, das zum innerlichenGebrauche bestimmte Mutterkorn vorher mit Aether zu extrahiren.
Früher schon hat Wiggers ein concentrirtes Präparat des Mutterkorns
') Bertrand, Archiv d. Pharm. 72, 15.