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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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V. Strassburg nach der Capital ation.

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Der Anblick von Aussen machte den Eindruck der vollständigstenDemolirung: die Lünette glich einem formlosen Erdhaufen. Wenn man sichaber in das Innere verfügte, so zeigte sich die Zerstörung weit unter der Vor-stellung.

Ein systematisches Durchschiessen des Walles, wie es bei unserenÜbungen angestrebt wurde, schienen diePreussen nicht beabsichtigt zu haben.Die grössten Unebenheiten auf der Krone waren durch die Bomben erzeugtworden, welche Trichter von 57 Fuss Durchmesser auswarfen. Die Tra-versen der linken Face, welche durch die Enfilir-Batterien zu leiden hatten,zeigten in der Längenmitte eine ausgeschossene Mulde von 2 Fuss Tiefe und56 Fuss Breite. Der Vorkopf der Traversen, welcher über die Brustwehr-Krone reichte, war stark demolirt und ganz formlos. Die Scharten warentheilweise gut erhalten und mit Körben bekleidet.

Die Flanken waren fast unversehrt, und auf den Wallgängen nicht ein-mal Bombenlöcher zu sehen. Der blecherne Geschützstand war wahrschein-lich durch eine Bombe zertrümmert worden. Das Mauerwerk der Hohltra-versen war vollkommen unversehrt.

Die Kehlpalissadirung zeigte wohl einige Lücken, es ist aber nichtbekannt, ob dieselben von Geschossen herrühren; jedenfalls war die ange-richtete Zerstörung gegen alle Voraussetzungen.

Die Franzosen hatten den Fehler begangen, dieselbe beim Verlassender Lünette nicht zu demoliren, und gewährte sie nun den das Werk ver-bauenden Sappeurs eine vortreffliche Deckung gegen Kleingewehrfeuer.

Die offene, doppelte Caponniere, welche die Lünette mit dem gedecktenWeg verband, insbesondere aber die Glacisflächen derselben waren mitBombenlöchern dicht besäet. Die Arbeiten des Angreifers in diesem Werkebestanden aus einem zwei Klafter tiefen Einschnitt, mittels dessen man sichdurch die Brustwehr durcharbeitete, dann in einem Laufgraben, unmittel-bar hinter der Palissadirung, in diese mit dem Einschnitte verbindendenZickzacks, in Schlägen zu den Unterständen, welche ebenfalls nicht demolirtwaren, dann einer Verbauung des ausspringenden Winkels.

Über den nassen Graben führte, wie bereits erwähnt, eine Tonnen-brücke.

Werk Nr. 53. Dieses war in seiner innern Anordnung ähnlich jenemNr. 52 und unterschied sich nur durch eine gemauerte, nahezu 18 Fuss hoheEscarpe und eine 810 Fuss hohe Contrescarpe. Der Graben, in welchemeine 4 Klafter breite Cünette sich befand, war 8 Klafter breit,das Wasser34, in der Cünette bei 6 Fuss tief.

Die Zerstörungen waren ähnlich wie bei der Lünette 52, nur war hiernoch eine Bresche, und zwar in der Breite von 8 Klafter, auf halber Höhedes Mauerwerkes unter sehr kleinem Einfallswinkel, aber mit ausserordent-licher Genauigkeit geschossen worden. Seitwärts der Verticalschnitte warauch nicht Ein Schuss. Freilich wurden die Schüsse aus der Krönung, denn