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Die Vertheidigung von Strassburg im Jahre 1870 : mit 2 Tafeln und einem Holzschnitte / von Moriz Brunner
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V. Strassburg nach der Capitulation.

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Die linke Neben front. Die Curline 10, 11, dann das Ravelin 46zeigten nur Bombenlöeher, aber in ziemlieb grosser Zahl.

Der Einschnitt für die Eisenbahn war mit Sandsäcken verschlichtet unddadurch zu einer vortrefflichen, bombensichern Unterkunft geworden, in derman ganz leicht 2 Etagen Schlafstellen über einander halte anbringenkönnen.

An der innern Wallböschung waren viele der erwähnten Blindagenangelehnt.

Das Hornwerk Nr. 4749 war in seinen Wällen wie jene derAngriffsfront hergenommen. Aller Graswuchs war verschwunden: nur zer-stäubte und durchwühlle gelbe Lehmerde zeigte sich dem Blicke.

Die Escarpe-Mauern hatten viele Treffer und die bereits erwähntenAbbröckelungen aufzuweisen.

Die gegen den Angriff sehende und für die Verllieidigung so wichtigeFlanke war gut traversirt und zeigte besonders in dem rückwärtigen Theilenoch viele grüne Stellen.

Das Ravelin 48 war insbesondere an der linken Face stark beschä-digt. Unter dem Glacis vor dem Ravelin und vor dgr Bastion 47 bestan-den Minenanlagen. Im permanenten Stile waren nur je ein Stück Galeriemajeure als Conlrescarpe-Galerie, dann die Hauptgalerien hergestellt. Der volleAusbau fand erst während der Belagerung Statt, und war man kurz vor derKrönung des Glacis damit fertig geworden. Der gedeckte Weg war palissadirt.

Das Werk Nr. 44 *). Dieses ausserordentlich wichtige Werk scheintder neuern Zeit anzugehören und hätte bei der Belagerung von grösstemEinflüsse sein können.

Als Vorwerk, welches mit der Kehle 330 Schritte von dem Glacis derrückliegenden Werke Abstand hatte und in dem Raume zwischen den beidenhinferliegenden Hornwerken einen vortrefflichen Ausfallsversammlungs-Raumdeckte, konnte es die Ausfälle sehr erleichtern. Es konnte aber auch inFolge seiner vorspringenden und dominirenden Lage den ganzen nahenAngriff in der Flanke nehmen und so einen grossen Theil der. feindlichenArtillerie auf sieh ziehen, bei energischer Vertheidigung sogar zur Weg-nahme zwingen.

Das Werk hat die Lünetlenform. Die Facen sind 36, die Flanken9 Klafter lang; es hätte also etwa 10 gut IraversirteFestungsgesehütze fassenkönnen, von welchen 5 gegen den nahen Angriff gesehen haben würden.

Die Kehle ist durch eine vom Terreplein an freistehende 2 Fuss 6 Zolldicke, 10 Fuss hohe Mauer, in bastionirter Form geschlossen und mit Gewehr-scharlen versehen.

Die Esearpe-Mauer ist bei 30 Fuss hoch, die Contrescarpe in Erdegeböscht. Das Werk hat keinen gedeckten Weg, aber Minenanlagen unterdem Glacis.

') Siehe Tafel Nr. 1.