Einleitung.
Der innige Wunsch, als Theilnehmer bei der Herausgabe derBaader’schen Schriften nicht völlig passiv zu erscheinen und auchmein Scherflein zu einem Unternehmen beizutragen, das, wennnicht alle Zeichen der Zeit trügen, für die Wissenschaft von densegenreichsten Folgen begleitet sein wird, hat mir den Muth ver-liehen, der mir zu Theil gewordenen Aufgabe entsprechend denBaader’s Erläuterungen zu St. Martin’s Schriften gewidmeten Bandmit einer Einleitung dem wissenschaftlichen Publicum zu über-geben. Ich darf hiebei wohl um so mehr auf Nachsicht rechnen,wenn ich die Bemerkung hinzufüge, dass ich nicht das Glückgehabt, ein unmittelbarer Schüler des grossen Philosophen gewesenzu sein, und dass meine erste philosophische Bildung in einenZeitraum fiel, wo der Pantheismus die philosophirende Welt nochso sehr beherrschte, dass die Spannung des speculativen Geistesdieser Richtung vorzugsweise zugewandt war. Ich muss bekennen,dass auch ich eine geraume Zeit mich in eben dieser Regionbewegt und erst nach langen Kämpfen meinen Rettungsanker inden Baader’schen Schriften gefunden habe, wo das verirrte Selbstsich freudig wieder vor seinem Gotte beugen konnte. Je mehrdas religiöse Bedürfniss in der schweren Schule des Lebens er-wachte, um so mehr erkannte ich, dass die christliche Wahrheitin keinem Systeme der neueren Zeit so kräftig vertreten sei, wiein dem lange von der wissenschaftlichen Welt verkannten undnur von Wenigen beachteten Systeme Franz von Baader’s. Wennwir einen Blick auf das bewegte Drama der geschichtlichen Ent-Baader’s Werke, XII, Bd. 1