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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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tivität in ihrem Rechte. Nur von dieser konnte Luther sagen:der Glaube allein macht frei, in dem Maasse, als dem Gläubigendie Auctorität eine immanente ist. Luther protestirte daher nichtgegen jede Auctorität, sondern gegen die todte Auctorität undführte den Menschen wieder zum lebendigen Glauben zurück,wo nicht der natürliche Mensch, sondern Gott selbst das Impulsgebende Princip vermöge der ewigen Gnade ist, die durch denheiligen Geist in dem Menschen diese Palingenesie bewirkt.

Wenn wir nun, vor der Hand von dem Gange der Theosophieabsehend, unseren Blick auf den als den Anfänger der neuerenPhilosophie bezeichueten Cartesius wenden, so finden wir theil-weise in der Anschauung desselben einen Gegensatz gegen dieSpéculation des Mittelalters. In der neuen, durch Cartesius ein-geleiteten Aera philosophischer Evolution sucht die Spéculationsich von ihrer Mutter, der Kirche, zu emancipiren durch denberühmten Satz:cogito, ergo sum. Dieser Ausspruch als daspulsirende Princip der neueren Spéculation hat in speculativerBeziehung eine gleiche Bedeutung, wie in politischer Beziehungdas von Mirabeau ausgesprochene Wort:la révolution françaisefera le tour du monde. In diesem Auspruch des Cartesiuslag die Tendenz, sich von jeder Auctorität loszusagen und durcheigene Selbstaffirmation die Wahrheit zu erfassen, und in demaus derselben Tendenz stammenden Ausspruch desselben Philo-sophen:de omnibus dubitandum est, war schon dem Keimenach jenes später (bei Hegel) Epoche machende Princip derNegation, nemlich der Voraussetzungslosigkeit, ausgesprochen, wo-mit der Geist zu beginnen habe, um aus sieh selbst Alles zudeduciren. Aber trotz des : cogito, ergo sum, wird uns ein tiefererBlick in das Cartesianische System nicht übersehen lassen, dassdasselbe doch noch dieses subjective Princip nur andeutet undzu anderen Resultaten kömmt, die nicht consequenter Weise ausdieser Selbstaffirmation des Bewusstseins folgen. Indem Cartesiusdas Princip des: cogito, ergo sum, hinstellt, so thut er es nur,um die idea innata als das einzige Gewisse in dem menschlischenDenken nachzuweisen, die Gott selbst in den Menschen gelegthat, der wir'"uns nicht entziehen können, wenn wir nicht an uns