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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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Baader gab zu, dass mit der Alleinigkeit der absoluten Sub-stanz, die eben darum, weil sie die alleinige absolute ist,bedingte Substanzen nicht ausschliesst, eine ewige Wahrheit aus-gesprochen sei, erblickte aber doch in dem Gott des Spinoza(weil er nur als Substanz, und nicht zugleich als selbstbewussterGeist gefasst war) nur einen erstarrten Steinabdruck des lebendigenGottes. Nur ein lebendiger Gott, sagt Baader, kann auch supra-mundan sein. Der supramundane Gott ist allein der freie Gott,und allein derjenige, der freie Wesen schaffen kann. SpinozasIrrthum besteht darin, dass er Gott nur als Substanz fasst, womitdie Leblosigkeit und Ideelosigkeit des Absoluten ausgesprochenist und die völlige Unfähigkeit dieses Systems eine Ethik zuschaffen. Spinoza, obgleich er keine Verschiedenheit oder Mehr-heit der Substanzen zugibt, sondern Alles in die éine Substanzversenkt, kann dennoch nicht den Begriff des Absoluten als purenSeins festhalten, denn die Erfahrung bietet Vielheit, Mannigfaltig-keit, Entstehen und Vergehen. Aus der todten Substanz lässtsich diese Mannigfaltigkeit nicht erklären, weil die Substanz dieunterschiedslose Identität ist und keine Negation in sich enthält.Nach Spinoza würde die Substanz nicht Substanz sein, wenn sieetwas Anderes als diese Unterschiedslosigkeit wäre. Die Erfahrung,welche Vielheit, Werden, Entstehen und Vergehen zeigt, will abererklärt sein. Es bleibt also Spinoza nichts anderes übrig alsanzunehmen, dass Unterschiede, Vielheit, Werden, Entstehen undVergehen als verschieden von der Substanz nur scheinbar sind,nur Affectionen der Substanz, ohne selbst, getrennt von der Sub-stanz, etwas Reales zu sein. Spinoza sieht sich gedrungen, umnicht bei der todten Substanz stehen bleiben zu müssen, dieseNegationen des Seins irgendwie anzunehmen; sie sind zwar, wiebemerkt, nichts Reales, weil eben nach Spinozas Begriff derSubstanz nichts Wirkliches existiren kann, was nicht die Substanzselbst ist; aber da diese Negationen nicht aus der Substanz selbstabgeleitet werden können, so sind sie nur von Aussen an dieSubstanz herangebracht und fallen nur in das reflectirende Be-wusstsein über die Substanz.

Es liegt also in dem Systeme Spinozas ein unüberwundener