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Dualismus, der zwar durch die Verstandes-Operation verdecktwird, aber doch wieder im Laufe der folgenden Systeme zumVorschein kommen musste. Der Repräsentant der neuen Richtungwar Leibniz, der Vertreter des Idealismus. Ich kann in wenigenWorten sein System nicht besser bezeichnen, als mit den WortenProfessor Hoffmann’s. — Leibniz stellt die Monade als ein ein-faches Wesen ohne alle inneren Unterschiede vor, welches seinenInhalt sich nur durch seine idealen Beziehungen zu allen anderenWesen gibt. Die Monade ist daher ein vollkommener Wider-spruch als ein Wesen, das sich selbst nur durch seine Vorstel-lungen von Anderen vorstellt, indess doch nur ein Wesen Anderesvorstellen kann, das sich selbst vorstellen kann und vorstellt. —Wie einerseits, sagt Hoffmann sehr richtig, die Monade zu einemin sich und an sich leeren Wesen herabgedrückt wird, so wirdsie andererseits zu einem Alles, das ganze Universum aus sicherzeugenden Wesen hinaufgeschraubt und ihr im Widerspruch mitder vorausgesetzten Abkunft aus Gott (und hiemit Abhängigkeitvon Gott) unverhohlen Absolutheit beigelegt. Der Idealismus desLeibniz löset alle Realität in die blosse Vorstellung der Realitätauf. —
Man sieht, dass die drei Hauptrepräsentanten der seit derReformation entstandenen Spéculation in der Selbstaffirmation desGeistes eine ganz andere Richtung einschlagen, als die durch dasganze Mittelalter im Dienste der Kirche sich bewegende Spécu-lation verfolgt hatte. Aus dieser neuen Bewegung treten nunaber zwei Richtungen hervor, die ihrem Keime nach schon indem Realismus und Nominalismus des Mittelalters gegeben waren.Diese beiden Richtungen der neueren Philosophie waren derIdealismus und der Empirismus.
Die erste findet darin den Angelpunkt ihrer Anschauung, dassder Geist seinen Gehalt in sich selbst trage, dass die Erfahrungmit allen ihren Erscheinungen erst durch die geistige Thätigkeitgesetzt werde, so dass alle Realität nur als ein Product unserergeistigen Thätigkeit erscheint. Die Erfahrung an sich selbst batgar keinen Inhalt, wenn der Geist nicht durch seine Operationden Inhalt hineinhringt. Der Empirismus dagegen behauptet, der