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den rechtfertigenden Glauben geltend zu machen und in diesersubjectiven Thätigkeit die Wahrheit nicht äusserlich, sondern nurdurch ein unmittelbares Verhältniss des religiösen Bewusstseinszum göttlichen Geiste erfasst werden konnte, so war durch denlebendigen Glauben, wodurch einzig und allein eine Assimilationmit dem formalen Princip der Schrift statt finden konnte, jedeAeusserlichkeit ausgeschlossen, die nicht ein immanentes Critériumin dem lebendigen Gottesbewusstsein hat. Es musste daher ausdieser reformatorischen Anschauungsweise, aus diesem Ineinander-sein des Realismus und Idealismus, eine neue Evolution für diechristliche Spéculation hervorgehen. Das Verhältniss Gottes zumGeiste und zur Natur wurde tiefer begründet. Und wenn nachdieser Anschauungsweise das Absolute in seinem Verhältnisse zumMenschen und zur Natur als das Thätige, Lebendige gefasstwurde, so konnte es nicht anders kommen, als dass das Absoluteals Einheit innerer Unterschiede gefasst wurde.
Gerade damit hat Jacob Böhme den wahren christlichenTheismus festgestellt, dass er die in Gott gesetzten Unterschiedenicht allein ideell zu erfassen, sondern ihnen auch einen realen Grundzu geben wusste, ohne dabei in Pantheismus zu verfallen. Dahersagt der tiefsinnige Baader, der grösste Kenner dieses Theosophen:» was Jacob Böhme’s Principien der göttlichen Manifestationbetrifft, so sind diejenigen in grossem Irrthume, welche meinen,dass eine Mehrzahl von solchen Principien innerhalb eines unddesselben Wesens dessen Einheit widerspreche. — Eine innereScheidung in mehrere Anfänge der Selbstformation bedingt jagerade die Gemeinsamkeit dieser als Produkt jener Principien,indem nur das Unterschiedensein von einem Anderen die Einheitmit ihm aufhebt, nicht aber die Selbstunterscheidung. So hebtauch das Bestimmtsein von einem Anderen, nicht aber die Selbst-bestimmung die Freiheit auf, wie denn auch das sich selber Ver-ändernde und Bewegende sich hiermit nicht in seiner Unveränder-lichkeit aufhebt.“ — Jacob Böhme lässt diese potentiä in dasAbsolute gesetzten Unterschiede stets actü überwunden d. b.geeinigt sein, weil der absolute Geist in^ seinem Processe stetsdas freie, sich selbst setzende Princip ist. Soll das AbsoluteBaader’s Werke, XII. Bd. 2