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hat. Diese Kraft steht denn einerseits in einer offenbaren Be-ziehung zu dem Brode und Wein selbst, andererseits aber auchzu dem Leibe und Blute des verklärten Heilandes, indem sie jafür sich, wie dieser selbst über die vergängliche, materielle Welthinausliegt. Seiner Freiheit zufolge kann sich der Mensch dergöttlichen Kraft oder auch der Qual der Finsterniss ergeben undhiermit entweder einen Engel oder einen Teufel aus sich machen.Wir sehen in dieser Auffassung Jacob Böhme’s, dass die Lehravon den Sacramenten ihre tiefe realistische Begründung durchdie Annahme gewinnt, dass über dieser endlichen Natur die ewigeNatur steht, worin unsere Natur ihr dynamisches Agens besitztund nur in so weit eine Realität hat, als sie in der ewigen ihreWurzel hat. Nur von diesem Standpuncte aus betrachtet gewinntauch die Eschatologie ihre wahre Bedeutung und kann sie sichder Verflüchtigung des Spiritualismus entziehen.
Louis Claude Saint-Martin, ein Schüler des Martinez Pasqualis,vor Franz Baader der berühmteste Anhänger Jacob Böhme’s, lebtein einer Zeit (1743—1803), wo die Revolution in Frankreich inihrer tief zerstörenden Wirkung alle politischen und sittlichenFundamente in Trümmer geschlagen und der gröbste Materialismuswie ein dunkles Nachtbild auf sein Vaterland sich gelagert hatte,in einer Zeit also der gewaltigsten Gährung, wo ein edles Ge-müth kaum noch eine Zufluchtstätte fand. — Er war eben aucheiner von jenen grossen Propheten auf dem Gebiete der christ-lichen Spéculation, die nicht für die Zeit, in der sie lebten,gearbeitet haben: in seinen gedankenreichen Schriften liegen dieKeime einer schöneren Zukunft für die Wissenschaft verborgen.Aber auch jetzt ist dieser tiefsinnige Theosoph nur wenig oderdoch bei weitem nicht genug gekannt. Je mehr indessen dieWissenschaft in ihrem Gange darauf hindrängt, sich von einemleeren Formalismus zu befreien, je mehr Anzeichen tieferer gei-stiger Evolutionen sich kund thun, um so mehr darf man sichwohl der freudigen Hoffnung hingeben, dass endlich der in St. M.