Buch 
12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
Entstehung
Seite
20
JPEG-Download
 

20

nur ein Nachbild (ein Abglanz) der höheren, göttlichen Natur undhat nur in so fern Realität, als sie an der ersteren participirt.Vergegenwärtigen wir uns diese Grundprincipien der BöhmeschenSpéculation, so wird es einleuchtend sein, dass nur bei der An-nahme einer ewigen Natur in Gott dem Pantheismus und Materia-lismus zu entrinnen ist. Diese beiden Seiten des Idealismus undRealismus, die von der Verstandes-Speculation auseinandergehaltenwerden, finden in der Böhmeschen Anschauungsweise ihre Ver-söhnung und hierin gerade hat die von Böhme geschaffene Theo-sophie ihre tiefgehende Bedeutung. Durch die tiefe Erfassungdes Ternars und des Verhältnisses der unendlichen zur endlichenNatur, durch die tiefe Begründung der Lehre von der Sünde,sowie ferner der Christologie, der Eschatologie und endlich durchdie tiefe realistische Begründung der Abendmalslehre hat JacobBöhme hinlänglich bewiesen, in welchem innigen Connex seineAnschauung mit den Grundfundamenten der göttlichen Offenbarungsteht. Obwohl sich Christus nach der Abendmalslehre Böhmesmit dem irdischen Leib und Wein als solchen nicht verbindet,so vereinigt er sich doch mit der in diesen verborgen liegenden,höheren Kraft und bietet uns hiermit sein himmlisches Fleischund Blut dar. Im Brod und Wein werden zwei Eigenschaftenunterschieden. Erstens, das grobe, elementarische, irdische Wesen,das dem tödtlichen Menschen gehört, und dann die Kraft davon,darin die Tinctur des Brodes und Weines liegt, welche über daselementarische Wesen erhaben und eine himmlische, paradiesischeKraft ist. In jedem äusserlichen Dinge liegt noch ein Ewiges,Unveränderliches verborgen, welches aus dem erstorbenen Wesendieser Welt in schönen Bildungen wieder hervordringt. DiesesEwige, Unveränderliche, von unserem Theosophen hier die Kraftgenannt, darin die Tinctur liegt, findet sich denn auch in denNahrungsmitteln, und zwar in besonderem Maasse in Brod undWein, wesshalb auch Christus hierunter das Abendmal verordnet

chen unsere Nachrichten über das Leben Böhmes geflossen sind. Ueberden Werth einer umfassenden Vorarbeit geht aber doch das Verdienstdes Verfassers nicht hinaus.