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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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verschiedenen Stufen alle natürlichen Erzeugnisse, demnach auchunser physisches Dasein und die Einheit jener beiden, besonderen,zeugenden Kräfte hervorgehen. In der Reihe der Zeugungenunserer Gedanken und Erkenntnisse muss es eine jener Ver-bundenheit unserer Kräfte analoge Quelle sein, aus welcher jenenihre Gestaltung kömmt, wie den körperlichen Zeugungen die ihrigeaus der Natur.

Nur indem jede Kraft der unmittelbar über ihr stehendenähnlich wird, vermag sie zu wirken, und nur auf diese Weisekönnen sich die zeugenden Einheiten bilden, und nur wenn dieverbundenen Einheiten sich allmälig zu der über ihr stehendenStufe erheben, werden sie lebendig und selbstständig thätig; dennsie gelangen von Stufe zu Stufe, indem immer eine höhere Kraftzu den schon vereinigten Kräften sich hinzugesellt, bis man beieiner höchsten über ihnen allen waltenden Einheit anlangt, welcheallen anderen unter ihr stehenden Einheiten Leben gibt, indemsie ihre Macht mit der Macht der Letzteren verbindet.

Es gibt also zwei unterschiedene, aber sich stets thätigeinigende Kräfte, die durch ein über ihnen liegendes Princip ver-mittelt sind. Diese Dreiheit von Grundkräften, die ewig mitein-ander verbunden sind, bildet das letzte Grundprincip alles Seinsund Lebens , das Letzte, zu dem der Gedanke durch einewenn auch noch so lange Kette von untergeordneten Kräften undErzeugungen aufsteigen muss, weil eben dieses hohe Princip allejene untergeordneten Kräfte und Zeugungen bedingt. Das letztePrincip alles Seins ist Gott.

Jene drei Grundkräfte, die ewig mit einander verbundensind, wirken stets nach ihren unwandelbaren Eigenschaften undbilden so einen unauflöslichen Verein, nicht bloss, weil kein Wesensie trennen könnte, indem keines in das Geheimniss jener Ver-bindung einzudringen fähig wäre, sondern auch weil sie selbstjene ewige feste Vereinigung nicht aufzulösen vermögen, indemsie in wechselseitiger Anziehung ewig sich selber gebären und soeine aus der anderen Leben und Dasein empfängt. Dieses istdas innerste Heiligthum, vor welchem sich der Gedanke des