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12 (1860) Franz Baader's Erläuterungen zu sämmtlichen Schriften Louis Claude de Saint-Martin's / herausgegeben von Friedrich von Osten-Sacken
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werfen. Höchst unbillig aber ist es, St. M. hauptsächlich oderdoch vorwiegend nach diesem zugestandenermaassen in Betreffder Darstellung zum grossen Theil unvollkommenen Werkezu beurtheilen. Aus den eigentlichen Hauptwerken St. Martinsbringt J. Schmidt so gut wie nichts vor und will doch die Stel-lung und Bedeutung dieses Schriftstellers für die französischeLiteratur gut charakterisirt haben. Er bezeichnet die Schrift:Lhomme de désir, als Saint-Martins beste, während doch dasTableau naturel, Le nouvel homme, De lEsprit de choses undMinistère de lhomme-esprit ungleich bedeutender sind. Höchstenskönnte gefragt werden, ob : Lhomme de désir, nicht die beste seinerSchriften in Rücksicht des Styles sei. Aber auch dies kann kaumzugegeben werden, da: Ministère de lhomme-esprit, jener Schriftin Rücksicht des Styls mindestens die Wage hält. J. Schmidtgibt zu, dass in St. Martins Tagebüchern sich sehr feine Be-merkungen über die Frauen finden. Aber er hätte hervorhebensollen, dass sich dort wie in dem ganzen Umfang der nach-gelassenen Schriften und in seinen Werken überhaupt ein ausser-ordentlicher Reichthum von feinen, sinnvollen und genialen Be-merkungen über alle denkbaren Gegenstände der Betrachtung vor-findet. In bedeutend abgeschwächter Art wird etwas davon wohlvon J. Schmidt eingeräumt, wenn er sagt, man werde in seinenSchriften häufig durch einzelne Sätze überrascht, in denen eine tiefempfundene Wahrheit sich poetisch ausdrücke. Wenn er aberbehauptet:es wäre nicht möglich eine seiner Schriften zu Endezu lesen, weil aller dialectische Faden fehle, so verräth er da-mit nur, dass er die Schriften St. Martins nur ganz oberflächlichgelesen hat und in den Kern derselben nicht entfernt eingedrungenist. Allerdings kann man St. Martins Schriften nicht so leichtwie den ersten besten Roman lesen, auch nicht so leicht wie dieSchriften eines W. T. Krug, eines Garve, eines L. Feuerbachoder A. Schopenhauer. Aber sie sind immer noch so geniessbarals die Kritik der reinen Vernunft von Kant, die Wissenschafts-lehre von Fichte und die Phänomenologie und Logik von Hegel,deren wissenschaftlichere Bedeutung desshalb nicht weggestrittenwerden soll. Wenn der zartfühlende gewissenhafte St. Martin, dessen