37
Vollends aus J. Schmidt’s Darstellung der Persönlichkeitund der Lehre Saint-Martin’s in seiner Geschichte der fran-zösischen Literatur seit der Revolution 1789 I, 206 — 211 istentfernt nicht ein richtiges Bild von der Bedeutung dieses grossenTheosophen zu gewinnen. Wenn J. Schmidt sagt: „Das Ge-fühl des Göttlichen, durch die öffentliche Ungläubigkeit ver-scheucht, flüchtete sich in das Dunkel und ergab sich denKünsten der Zauberei “, so muss jeder Unkundige auf dieVorstellung gerathen, Saint-Martin habe sich Zeitlebens denKünsten der Zauberei ergeben. Ohne untersuchen zu wollen, obdie theurgischen Operationen des Martinez Pasqualis, des erstenLehrers unseres Saint-Martin, den Namen der Zauberei-Künste ver-dienen, so ist doch so viel historisch festgestellt, dass Saint-Martindieselben schon sehr früh von sich wies, sie missbilligte und sichsein Leben lang von ihnen entfernt hielt. Wenn Saint-Martinsagt: „C’est à Lyon que j’ai écrit le livre des erreurs et de lavérité. Je l’ai écrit par déseuvrement et par colère contre lesPhilosophes“, so lässt J. Schmidt dieses Werk „weniger aus Liebezu Gott, als aus Hass gegen seine Feinde“ geschrieben haben.Anderwärts sagt Saint-Martin, dass er jenes Werk aus Liebezu den Menschen geschrieben habe und es ist scblechtersdingskein Grund vorhanden, ein geringeres Maass der Liebe zu Gottdabei vorauszusetzen. Von der Behauptung J. Schmidt’s, dass esfür einen Gebildeten unmöglch sei, das Buch hinter einanderdurchzulesen, ist soviel einzuräumen, dass allerdings die anhaltendeLektüre dieses Buches sehr schwer ist. Wenn aber Schmidtbehauptet, von einem logischen Zusammenhang, von einemleitenden Gedanken sei keine Rede, es sei ein Gewebe von Ein-fällen, die uns zuweilen durch den Wulst unerhörtester Abge-schmackheit erdrückten, zuweilen durch einen Funken des Geniusüberraschten, so ist das zum Theil ganz falsch, zum Theil nurhalb wahr. Auch in diesem Werke wird man nicht bloss zu-weilen durch einen Funken des Genius überrascht, sondern esenthält einen grossen Reichthum tiefsinniger Ideen und bei Weitemnicht Alles, was darin auf den ersten Blick seltsam erscheint, istso ohne Weiteres mit Schmidt zu den Abgeschmacktheiten zu