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allgemeine Gesetze enthalten muss, 4) obgleich eine Wissenschaft'der blossen Form nach oder von der blossen Form unseres Ver-standeserkenntnisses, inwiefern sie von allen Objecten, worauf siebeziehbar ist, abstrahirt, ist sie doch insofern zugleich eine Ver-nunftwissenschaft der Materie nach, inwiefern sie die Vernunft zuihrem Objecte hat oder inwiefern sie eine Selbsterkenntnis desVerstandes und der Vernunft ist, nicht zwar nach deren Ver-mögen in Ansehung der Objecte, sondern vielmehr nur nachderen Vermögen in Ansehung der Form und 5) eine Doctrin oderdemonstrirte Theorie, denn sie beschäftigt sich nur mit den all-gemeinen und nothwendigen Gesetzen des Denkens und beruhtsomit auf Frincipien a priori*). Weil es nun aber, sagt Kant,sowohl reine, als empirische Anschauungen gibt, so könnte doclnwohl ein Unterschied zwischen reinem und empirischem Denkender Gegenstände angetroffen werden. In diesem Falle würde eseine Logik geben, in der man nicht von allein Inhalt der Er-kenntnis abstrahirtc und die auch auf den Ursprung unsererErkenntnisse von Gegenständen ginge, sofern er nicht den Ge-genständen zugeschrieben werden kann. In der Erwartung, dasses vielleich Begriffe geben könne, die sich a priori auf Gegen-stände beziehen mögen, nicht als reine oder sinnliche Anschauungen,sondern bloss als Handlungen des reinen Denkens, dio mithinBegriffe, aber weder empirischen noch ästhetischen Ursprungssind, so machen wir uns zum voraus die Idee von einer Wissen-schaft des reinen Verstandes- und Vernunfterkenntnisses, dadurchwir Gegenstände völlig a priori denken. Eine solche Wissen-schaft, welche den Ursprung und die objective Gültigkeit solcherErkenntnisse bestimmte, würde transscendentale Logik heissenmüssen , weil sie es bloss mit den Gesetzen des Verstandes undder Vernunft zu thun hat, aber lediglich sofern sie auf Gegen-stände a priori bezogen wird, und nicht, wie die allgemeineLogik, auf die empirischen sowohl, als reinen Vernunfterkennt-
*) J. Kants Werke. Herausgegeben von Hartenstein (Leipzig, Modcsund Baumann, 1838—1839) I, 334—37. Vergl. II, 90, 91. — .1. Kants Sfimint-liche Werke Herausgegeben von Carl Rosenkranz und Friedrich Willi.Schubert. (Leipzig, L. Voss, 1838— 42.) III, 171 — 175. Vergl. II, 56—58.