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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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XXIX
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Denn wenn die Vernunft gänzlich unfähig ist, über das Wesender Dinge, das Ucbersinnliche etwas auszutnachen, so ist es nichtminder eine Anmaassiing zu behaupten, man habe wissenschaft-lich die Nichtexistenz Gottes, der Freiheit und der Unsterblich-keit erkannt und begriffen, als cs eine Anmaassung wäre zubehaupten, man habe wissenschaftlich erkannt und begriffen, dassund was Gott, die Seele, die Welt sei und dass und wie Freiheitund Unsterblichkeit .gegründet seien. Ist abcr<die wissenschaft-liche Widerlegung dieser Ideen der Vernunft unmöglich, so istes nicht widersinnig, die Gültigkeit jener Ideen zu postulirenund im Glauben anzunehmen, da sich Jeder sagen muss, dasser ohne deren Annahme kein sittlicher, rechtschaffener Menschsein und keinen sittlichen Werth haben würde. Ebendesshalbwird jene Annahme, jener Glaube dem Menschen sogar sittlichePflicht 1 * **) ). -

Die Unfähigkeit der Vernunft zur Erkeimtniss des Wesensder (Dinge folgt aber nach Kant unwidersprechlich aus der unbe--stochenen Selbstbetrachtung im ^Vergleich mit dem, was die voll-kommene Wesenserkenntniss erfordern würde* 1 *). Unsere Erjveiint-niss entspringt nach Kants Kritik der reinen Vernunft aus zweivielleicht aus einer gemeinsamen Wurzel entspringenden Grund-quellen des Gemiiths, deren die erste ist, die Vorstellungen zuompfangen (dieReceptivität der Eindrücke), die zweite das Vermögen,durch jene Vorstellungen einen Gegenstand zu erkennen (Spon-taneität der Begriffe). Durch die erstere wird uns ein Gegen-stand gegeben, durch die zweite wird dieser im Verhältnisse zudieser Vorstellung (als blosse Bestimmung des Gemiiths) gedacht.Anschauung und Begriffe machen also die Elemente aller unsererErkenntniss aus, so dass weder Begriffe ohne ihnen auf einigeArt correspondirende Anschauung, noch Anschauung ohye Begriffe

*) J. Kants Werke. Ausgabe von Hartenstein. IV, 24554.

**) Es ist doch merkwürdig, dass Kant zu wissen behauptet, was zurvollkommenen Wesenserkenntniss erfordert würde, wenn sie für den Me ti-schen . möglich wäre oder sein sollte. Aber wenn die Vernunft vornUebersinnlichen nichts wissen kann, wie kann sic denn wissen, dass dasAngegebene die wahren. Erfordernisse der vollkommenen Wesenserkennt-niss sind ?