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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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schaftslehre die Logik begründe, während er hier die Logikzwar nicht als eine nothwendige, aber doch als eine höchst wold-thätige Erfindung, um den Fortgang der Wissenschaften, der ohnedie Logik zwar auch, aber doch nur später eingetreten seinwürde, zu sichern und zu erleichtern, gelten liess, ging Fichtein der letzten Gestaltung seines Systems der gemeinen Logikentschlossener zu Leibe und hob sie völlig auf. Fichte erklärtenun:Kant war der gemeinen Logik bei weitem nicht so ab-geneigt, wie er sollte, und zerstörte sic nicht so von Grund aus,wie es seine Philosophie eigentlich erfordert, und wie wir es inseinem Namen nachholeu wollen *). Dies leistet nun auch Fichtevon seinem Standpuucte aus vollkommen und mit schlagenderSchärfe. Das Ergebniss seiner Entwickelung ist der Hauptsachenach in Folgendem enthalten:

Die gemeine Logik setzt schon voraus, was sie erklärenwill, sie beschreibt und deiinirt nicht, sondern sic exemplilicirtnur und exemplilicirt falsch. Denn sie hat das Denken selbstnicht begriffen. Sic stellt gar keinen Begriff auf, sondern nureine Anschauung vom Denken und zwar eine falsche. Dies istihr erster Fehler, wodurch sie Verzicht thut auf allen wissen-schaftlichen Charakter. Nur Erzeugen aus dem Begriff ist Wis-senschaft: da sic den Begriff nicht aufstellt, sondern bloss dasDenken betrachtet, wie es ist, so ist sie nicht Wissenschaft, son-dern blosse Empirie. Die gemeine Logik hat den Begriff vomDenken nur blind und bewusstlos. Denn, was sie als Denkenbegreift: Verbindung von Merkmalen zur Einheit einer Vorstel-lung, findet sie in der Tliat schon geschehen vor sich; nur dasssie dies gar nicht merkt und bloss das Verbinden, welches zubemerken sic gar nicht unterlassen kann, allein bemerkt.. Diegemeine Logik begnügt sich mit dem Blicke des dass, was siehat, was ihr schlechthin gegeben ist; für ein anderes Bedürfniss,als zu dieser historischen lfevision des Gegebenen thut sie das

*) Ueber das Verhältniss der Logik zur Philosophie oder transscen-dentale Logik in den von seinem Sohne, J. II. Fichte, herausgegebenenNachgelassenen Werken J. G. Fichtes. Bonn, Marcus, 183435.1, 111112.