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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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XXXV
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XXXV

Auge nicht auf, oder hat kein Auge. Die Philosophie blickt aufdas Werden, die Genesis, über das factischc Sein hinweg durch-blickend dasselbe. Jenes Auge ist das empirische, die3 daswissenschaftliche, jenes vernehmend, dieses verstehend. Jenespricht vom (todten) Sein, diese vom (lebendigen) Werden. Indemalso die gemeine Logik und alle daher entspriessende Philosophiedas Denken nur als blosses Factum des Selbstbewusstseins hat,ohne dies inne zu werden und ohne darum zu fragen : woherdenn ihr Denken? so ist es klar, dass ein solches, nur für denSinn vorhandenes Denken, selbst Gegenstand des Sinnes, imSinne bleibt, und dass es ein Widerspruch ist, dasselbe Rechen-schaft ablegen zu lassen über das Uebcrsinnliche. So betrachtetKant das Denken in seiner Kritik der reinen Vernunft oder dertheoretischen: er dachte wohl damals nicht an die praktische:and dies lieferte denn das höchst anstüssige Resultat dieser Kritik,welches zu Kants Glücke nur niemals recht verstanden wordenist. Das Geheimniss der Ueberwindung dieses Widerspruchesist, dass die Wissenschaft nicht factische, sondern genetische Er-kenntniss sein soll und muss, das Denken nicht zu finden als einGegebenes, sondern es einzusehen aus dem Gesetze als ein Notli-wendiges; oder eben selber zu denken im Philosophien, nichtzu beobachten, und zwar das Denken selber zu denken, d. i. esin der Notlnvendigkeit seines factisclien Seins, nicht in der blossenAnschauung desselben zu finden. Denn die gewöhnliche Logikdenkt nicht einmal das Denken, sie schaut cs nur an als einVorhandenes. Da diese Logik empirisch ist, so ist sie ebennicht Wissenschaft. Es ist sonderbar und eine offenbare Incon-sequenz, dass Kant sie dafür gelten lässt. Wie wollte er dennPlatz erhalten zu seiner Kritik und zu seiner transcendentalenKogik, welche dieselbe Frage behandelt, wie auch die gewöhn-liche Logik, wenn die vor ihm vorhandene Logik das Phänomenschon begründet hätte? Er hat sich blenden lassen durch dieäussere Form der Wissenschaft, welche die Logik sich gibt; aber"'es kann dies beweisen? Auf das Innere kommt es an. Mankönnte das Schuhmacherhandwerk in systematisch - wissenschaft-licher Form vortragen, wie Wolf die Aufgabe, einen guten

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