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zweites zu bilden, das seinen Beweis nicht in sich selbst trägt,das richtig nur ist, insofern es mit dem ersten durchaus übercin-stimmt, und die blosse Wiederholung desselben ist? Wozu diesezweimalige Setzung desselben, und wie ist sip überhaupt möglich.■Also die gemeine Logik ist durch eine wissenschaftliche Philoso-phie, und durch einen Thcil derselben, die transscendentale Logik,ganz und gar aufgehoben und vernichtet. Sie war ein für dieLutwickelung des menschlichen Geistes n.othwcndiger Versuch,durch empirische Beobachtung das zu linden, zu dessen Gesetzesich die Einsicht noch nicht erhoben hatte. Jetzt wird es cin-gesehen aus dem Gesetze; die empirische Beobachtung fälltdarum weg. Nachdem der Tag angebrochen ist, wird das Organ,wodurch man in der dicken Einsterniss freilich allein sich Orien-ten konnte, das Tappen, des Dienstes entlassen. Eine lästigeund der Wissenschaftslehre sein- beschwerliche Inconsequenz vonKant war es, dass er neben seiner transscendentalen Logik dochdie gemeine wollte stehen und gelten lassen.“ (Vergl. Eichtc’snachgelassene Werke B« I, Seite 121, 126 &c. 324 &c. undbesonders 327, 328, 329, 330.)
Schelling sprach sich im Wesentlichen ganz übereinstimmendnüt Fichte über die Logik Kants aus. In seiner Schrift: Systemdes transscendentalen Idealismus ®) sucht er zu zeigen , dassWissenschaftslehre nur möglich sei, wenn das Wissen ein abso-solutes Princip in sich selbst habe, in welchem die ursprünglicheLorm und der ursprüngliche Inhalt sich wechselseitig durchein-ander bedingten. Wenn aber hienach kein formelles Principgedacht werden könne, ohne ein materielles, und kein materielles,ohne ein formelles vorauszusetzen, so sei es offenbar eine falscheVoraussetzung, die (formalen) Grundsätze der Logik als unbe-fugte, nicht ableitbare zu behaupten. Die Logik könne also nurdurch Abstraction von bestimmten Sätzen der Wissenschaftslehreentstehen. (
In seinen geistvollen Vorlesungen über die Methode desukademisehen Studiums zählt Schelling die formale Logik
*) System des transscendentalen Idealismus von Schelling (Tübingen,C °Ua, 1800) S. 33-37.