Buch 
1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
Entstehung
Seite
XLV
JPEG-Download
 

XLV

Gleichwie Kants Behauptung, dass alle reale Erkenntniss dasSinnliche zum Gegenstände habe, ein Rest von Sensualismus imKantischen Systeme ist, so muss seine Annahme von a priori imGeiste bereitliegenden leeren Denk- und Anschauungsformen alsder Keim des Idealismus und Subjectivismus angesehen werden.Der Idealismus, sagt J. II. Fichte * * **) ), mit Recht, ergab sich noth-wendig, sobald nur das lrincip, das (formale, leere) Allgemeine alsApriorisches zugleich zum Subjectiven des Bewusstseins zu machen,mit Consequenz durchgesetzt wurde. Als bloss formales, leeresAllgemeines konnte das Apriorische indessen schon gar nichtsanderes sein, als ein bloss Subjcctives des Bewusstseins. Objec-tive Erkenntniss ist damit in keiner Weise zu erreichen. In undan sich selbst sind sie leer von allein Erkenntnissinhalt, auf diesinnlichen Dinge angewendet wird der Verstand über das Wesendieser Dinge um nichts klüger, und auf die übersinnlichen Gegen-stände sind sie schon gar nicht anwendbar, weil diese nach Kantder Anschauung niemals sollen gegeben werden können. JederVersuch, diese Formen auf übersinnliche Dinge anzuwenden, istnach Kant ein Ueberschreitcn der Grenzen des Erkenntniss-vermögens und führt also zu Phantomen und Einbildungen ##).

Leibnizische Lehre vom Aprorischen der Erkenntniss höher steht als dieKantische, so folgt daraus noch nicht, dass sie allen Anforderungen genüge.Krause behauptet, dass die Kategorien nicht, wie Leihniz für genügend er-achtet, bloss der Möglichkeit nach (virtuell, potenliä, virtualitcr) im Geistesich vorfänden, sondern dass sie der Möglichkeit und der Wirklichkeit nachzugleich im Geiste vorhanden seien. Vorlesungen über die psychischeAnthropologie, von C. Chr. Fr. Krause. Ilcrausgcgeben von lrof Dr.Ahrens. Göttingen, Dieterich, 1848. S. 109.

*) Beiträge zur Charakteristik der neueren Philosophie oder kritischeGeschichte derselben von Des Cartes und Locke his auf Hegel. ZweiteAusgabe. (Sulzbach, Seidel, 1841) S. 188.

**) Dennoch musste Kant, wie bereits gezeigt, die Anwendung derlogischen Denklörmen aul Uebersinnliches zulassen, jedoch freilich nur alsErscheinung. Denn die Seele ist doch auch nach Kant etwas Uebersinn-liches. Oder soll Kants Behauptung, die Seele habe keine intellectuelleAnschauung von sich, sie werde nur ihrer Zustände als Erscheinungengewahr, das Bewusstsein seiner selbst sei noch lange keine Erkenntnissseiner selbst, die Möglichkeit offen lassen, dass das Wesen der Seele einematerielle Substanz sei? Dann wären aber doch immer noch die Er-^