Buch 
1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
Entstehung
Seite
7
JPEG-Download
 

7

eine Kritik der reinen Vernunft, welche, die befriedigende Beant-wortung der von ihr selbst aufgeworfenen Frage unterlassend,mit der bloss logischen sich begnügt, und welche sohin den ersten

ohne bestimmte Umrisse, in Tönen ohne bestimmten Wortsinn sich ankün-den, so wie man auch in grösserer Ferne nur erst den Schall, dann denTon, und endlich erst ganz in der Nahe die articulirte Stimme eines Kedenden vernimmt. Es würde nun aber offenbar Täuschung sein, wenn einsolches erkennendes Wesen das für sein Subject und nur (ür eine be-stimmte Seinsart desselben wirkliche, isolirte Hervortreten eines höhernStoffs ohne seine Form für ohjectiv bestehend halten und also aus demeigenen Unvermögen, diesen Stoff (dies Gefühl, diese Empfindung etc.)zu bestimmen und zu fassen, auf die Nichtrealität der Region selbst, vonwelcher jener kommt, einen Schluss machen, oder diesen für sein niedri-geres Begreilüngsvormögen allerdings zu subtilen und nicht erhaschbarenAethcr (als Kraflfüllc) schlechterdings in seinem für die niedrigere Regionund für deren gröberen Stoff nur tauglichen Geschirr sperren, und demExperiment darin unterwerfen wollte, jenem Philosophen in GullivcrsReisen gleich, welcher die Sonnenstrahlen in den Gurken aufzusammelndas unglückliche Project gefasst hatte. Mali halte folglich keinen ver-nünftigen Grund, sich über den Charakter der Unbestimmbarkeit und Un-fasslichkeit jener Gefühle und Empfindungen zu verwundern, und dieWahrheit dieser dunkeln, aber dessen ungeachtet sehr realen Gefühle inZweifel zu ziehen, und es müsste nur unnatürlich zugehen, wenn es sichhei dieser slufenweisen Evolution eines höhern Lebens inner einem nie-drigem, üussern, anders verhielte. Alter warum äus6ern sich nun diesoGefühle und Empfindungen gegen das Gemüth erfreulich, lehenfördernd,und gegen ein anderes peinigend, niederhaltend, drückend und nicht nurunermesslich, sondern seihst ungeheuer, schrecklich und entsetzlich, vonder hier sich einmischcndcn animalischen Furcht auch ganz abgesehen?Der Schlüssel zur Erklärung dieses Factums liegt freilich auch nur wiederin der Natur und inuern Oekonomic jener höhern Region selbst. Sieist nämlich bipolarisch, mit dein jedoch hier besonders merkwürdigen Um-stande, dass die beiden Pole, als eigentlich selbst Regionen, nicht nebeneinander, sondern über und in einander sicheinanderdeckcnd befinden,und dass also hier das dextrum und sinislrum ein Oben und Unten be-zeichnet; folglich der obere Pol A den untern B beherrscht, und wie dieBlume aus der finstern Wurzel oder das Licht aus dem Feuerblitze, inund aus letzterin beständig hervortritt, Ob nun schon beide Pole an sichkeineswegs einander bestreiten, vielmehr einer olme den andern nicht zurWirklichkeit kommen und bestehen könnte, und obschon nur Eines undDasselbe in beiden diesen Polen sich spaltend und entfaltend offenbart;so widerstreiten sich doch diese beiden Polo in ihrer besondere Offen-barung in Einem und Demselben Dritten, indem der eine sich in diesembejahend den andern eben hiemit verneint. Hieraus wird es nun aber be-