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1 (1851) Franz von Baader's gesammelte Schriften zur philosophischen Erkenntniswissenschaft als speculative Logik / herausgegeben von Franz Hoffmann ...
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15
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geistung des Gcmiiths, und dessen Entfernung von seinem rechtenund gesunden Leben.

Das moralische Gesetz und, insofern dessen Erkcnntniss auchdie ganze Moral sein soll (in welcher Beschränkung der Erkennt-niss, wie man sagt, ja eben ihre sublime und hochgerühmte Rein-heit besteht), alle Moral ist sohin und eigentlich als moralischoSelbsterkenntniss die moralische Unglücksei igkcitslelire. Wo istnun aber die moralische Glückscligkcitslchre, d. i. die Anweisung,mir dieses moralische Unglück meines Nichtwollens des SoIIens,und als Folge hievon des Seins unter dem Zwange des Gewissensoder des moralischen Gesetzes und des Nichtseins oder Nichtlebensin dem G eiste des letztem, vom Herzen zu schallen V wo Religion ?

Das im Gcmütli sich üusserndc Sollen nütlngt mir freilichdas Gestiindniss ab, dass ich es auch könnte, wenn ich nurwollte!*) (Kant VI, 207, 213.) Denn ohne dieses Bewusstseinwürde ich auch das Sollen nicht zugestehend anerkennen. Abereben so klar ist das Bewusstsein: dass ich es nicht will, dass ichein Anderes will. Dieses Andcrs-und-Anderes-Wollen soll ichnun (inwiefern ich abermal will) durch Innehalten, Niederhalteneigenen Willens was so leicht als das Odeminnehaltcn oderdor Selbstmord sein soll verleugnen. Nun hat diese Ver-leugnung eines zwar wirklichen, aber meiner innern bessern Naturwiderstroitenden, sohin kranken und monströsen Lebens gegen einbesseres, gosundes, nicht minder wirkliches und als solches sichbeurkundendes Leben allerdings keinen Widerspruch in sich, in-dem die Selbstverleugnung in dem dinen Leben durch die Selbst-bejahung im andern in einem und demselben Lebendigen ihrComplcment erhält. Dagegen scheint es aber doch eine nichtnur sich widersprechende, sondern einer Ironie ähnlich sehende

*) Wenn mir Kant (VV. VI. 188200) sagt, dass mein Wille radicalliösc sei, und docli die Berührbarkeit oder die I.asslmrkcit meines Willens'on einem und in einen restaiirirenden, alisolulguten, von aussen, wie von'men, mir sich helfend darbietenden Willen mir nbsprieht, d. h. die Lös-barkeit und Erlösbarkeit von meiner bösen Willensgestaltung, so muss ichse iue Lehre für bestimmt antichristlich erklären, und den Unverstand allerlener bedauern, wolehe solche Doclrinen als mit dem Christenthum ganzWohl vereinbar betrachteten. Anmcrk. v. J. 1830.