394
dass folglich der Trrthum Spinoza’s nur darin besteht, dass erseinen Gott gleich einem Centauren aus zweien nicht gleichenoder nicht einwesigen Bestandtheilen zusammensetzt, nämlich dessenCentrum als schöpferisch, dessen Peripherie als Geschöpf nimmt*).Versteht man nun aber mit dem Worte: „Dualismus“ die Relationoder das Verhalten des Geschöpfes zum Schöpfer, so heisst derSatz: „die Vernunft will Einheit“, freilich nur: sie will wederdie (deistische) Trennung beider, noch ihre (pantheistische) Ver-einerleiung. Nun wäre cs aber allerdings ein schlechter, ja argerDualismus, falls man das Sein (hier als creatiirliches gefasst) alsein absolutes Jenseits des dasselbe producirenden schöpferischenGedankens vorstellen wollte, so dass Gott ewig nicht Sich, son-dern nur Anderes (die verwesliche Materie) dächte, somit ent-weder nimmer, oder wenigst nur mit Hilfe der letztem zu sichselber käme. Es beweiset allerdings nicht für die gerühmtenFortschritte in dev Philosophie, wenn diese, wie verlautet., selbsthierüber noch nicht im Klaren ist. Denn dass Gott ist, und dassdie Geschöpfe sind, braucht man von den Philosophen nicht zulernen, sondern es fragt sich hier nur um das Wie dieses Seinsbeider: wesswegen eine Philosophie, welche uns das Sein Gottesdurch das Nichtsein des Geschöpfes begreiflich machen wollte,sich eben so unnütz machen würde, als jene, welche umgekehrtdas Sein des Geschöpfes durch das Nichtsein Gottes erweisenwollte. — Jeder solcher dualistischen Zerreissung steht nun frei*lieh die Lehre der Immanenz entgegen, welche indess weder einHinzukomracn eines Anderen, noch ein Ilinwegkommen (als itioin partes) gestattet, und nur aus diesem Standpuncte der Imma-nenz muss Hegel’s Begriff eines objoctiven Gedankens gefasst
*) Eth. I, def. VI: Per Deurn intclligo ens absolute infinituni, hocest, substantiam constantem infinitis attributis, quoruni unnmquodque aeter-nain et infinitam essentiam exprimit. — Propos. XIV: Praeter Deum nulladari, neque concipi potest substantia. — Propos. XVIII: l)cus est oinniumreruni causa innnanens, non vero transiens. — Etli. II. prop. I: Cogitatioattrikutum Dci est, sive Deus est res cogitans. — Propos. II: Extcnsioattributum Dei est, sive Deus est res extensa. Spinozae opera edit. Pau-lus II, 35, 46, 54, 78 u. 79. II.