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eine solche negative (missrathcne) Selbstvcrmittelung Gottes, somitdessen Verfinsterung u. s. f. als die notliwendige Bedingung der
Momente: das Gute und das Böse oder Gott und der Teufel. Gott istund auch der Teufel, Beide für sich. Gott ist das absolute Wesen. Aberwelches absolute Wesen ist dies, das (nicht) alle Wirklichkeit und besondersdas Böse nicht an ihm hat?“ (Hegels Werke XV, 302). Nach dieserLehre Hegels sollte man glauben, das Böse gehöre schlechterdings zurWirklichkeit Gottes und es werde der W'ürde und Ehre Gottes nichtwenig genommen oder entzogen, wenn man das Böse von seinem W'esenund Willen ausschlösse. Liesse sich wirklich erweisen, dass J. Böhmediese Lehre vorgetragen habe, so würde sie mit der Lehre Hegels dergleichen Verwerfung unterliegen. Allein es lässt sich streng erweisen,dass solche Auslegung nur aus Missverstand hervorging und dass Böhmevielmehr auf das bestimmteste Gott als die lautere Liehe und Güte auf-fasste, das Böse schlechthin aus seinem Wesen ausschloss und es seihstfür die geschallenen iulelligten Wesen als n o tli w cn d iges Entwicklungs-moment leugnete. Hegel übersieht, dass nach J. Böhme das Moment derNegativität in Gott ewig actu überwunden und der Manifestation der Posi-tivität dienstbar gemacht ist, er Übersicht, dass nach J. Böhme auch imGeschöpfe nur durch den Missbrauch des freien Willens, durch freigewollteVerkehrtheit die Negativität actu hervortreteu kann. Mit last noch grös-serem Anscheine der Wahrheit als Hegel weiss Feuerbach in seiner Ge-schichte der neueren Philosophie dio Lehre J. Böhme’s so darzustellcn,als ob die panlheistische Weisheit von der Nolhwcndigkeit des Bösen inder Selbstentwicklung des göttlichen Lehens die eigenthümlichste und ge-wisseste Lehre J. Böhme’s gewesen wäre. »Das- Böse, sagt Feuerbach,ist nach J. Böhme überhaupt das I’rincip der Negativität, d. i. der Auf-hebung der Einheit, der Scheidung und Unterscheidung und der mit dieserzugleich gegebenen Entgegensetzung. Der Ursprung der Natur und desGeistes, des Etwas, des Daseins und Bewusstseins und der Ursprung des
Bösen ist daher ein Akt, ein und derselbe Ursprung. Das Princip
des Daseins und das Princip des Bösen ist ein Princip.. . . der Ursprung,das Princip des Bösen liegt daher in Gott seihst. . . . Der Teufel ist nachJ. Böhme der Urkocli des Weltalls; ohne das Gewürz des Teufels wäreAlles nur ein geschmackloser Brei, er ist das Salz der Natur; denn dasPrincip aller Verschiedenheit, Species, Art und das Princip des Bösen istein Princip.“ Dieser furchtbare Missverstand entspringt lediglich aus derVerwechselung der wesentlich zu unterscheidenden Begriffe der harmoni-schen und friedlichen Sonderung und Unterscheidung des Einen in die To-talität seiner Momente mit der feindseligen Entgegensetzung derselben untersich und mit der Einheit. Nur wenn in Gottes Lebensgeburtsprocess das Momentder Unterscheidung in sich ahstract festgehalten bliebe, könnte, per impos-sibile gesagt, von einem actucllen W iderspruch in ihm die Bede sein. Da aberdas Moment der Sonderung ewig wieder in die (und zwar nun vermittelte)