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Vater sich nicht mehr in ihm fände, dessen unerfüllte (unver-söhnte) Sucht sohin als solche zu sich selber käme, so müssteeine negative Selbstvermittelung, d. h. eine Zwietracht in Gottentstehen, und mit ihr die Bestrebung von ihr sich wieder zubefreien oder zu erlösen. Was nun aber in Gott unmöglich ist,nämlich ein solches Aufkommen einer negativen Vermittelung alseines actuoscn Widerspruchs oder eines inneren Ergrimmens, dasist allerdings im Geschöpfe möglich, und die Nichteinsicht indiese Möglichkeit theilt die Philosophie Hegels mit allen frühe-ren, namentlich mit der Schclling’schen Philosophie. Sieht manaber das Wesen oder Unwesen einer solchen im Geschöpf auf-gekommenen Negativität nicht ein, so muss man dieselbe, da mansie (das Böse) als am und im Geschöpfe haftend doch nichtleugnen oder bemänteln kann (wie denn die Anerkenntniss derWirklichkeit des Bösen von dessen Erkcnntniss unabhängig be-steht), in Gott selber legen, wie dies wirklich seit langer Zeit vonvielen Grüblern im Orient getlian und wie erst neuerlich wieder vonProf. Daumer#) versucht wurde, welcher, J. Böhme missverstehend,
•) Urgeschichte des Menschengcislcs. Fragment eines Systemes spe-culativer Theologie mit besonderer Beziehung auf die Schelling’sche Lehrevon dem Grunde in Gott. Von G. Friedr. Daumer (Berlin, Reimer 1827)S. 16, 22, 23, 35, 50, 58, 61. — Andeutung eines Systems speculativerPhilosophie von G. Friedr, Daumer (Nürnberg, Campe 1831) S. 5, 6, 16,30, 49, 67. — Philos., Relig. und Alterthum, von Daumer (Nürnberg,Campe 1833) I, 2—8. — Züge zu einer neuen Philosophie der Relig. undReligionsgeschichte &c., von Daumer (Nürnberg, Schneider u. Weigel 1835)I, S. 1—4 u. 12 — 13 &c. Hegel und Feuerbach missdeuteten J. Böhme’sLehre gleichfalls dahin, dass sie meinten, er habe die Nothwendigkeit derNegativität, des Widerspruchs, des Bösen so nur in der Vorstellung ge-fasst, wie "sie dieselbe im Begriffe erfasst zu haben glaubten. So sagtHegel im dritten Bande seiner Vorlesungen über die Geschichte der Philo-sophie (Hegels Werke XV, S. 302, 302, 312, 316, 320.), Böhme habe ge-rungen, das Negative, das Böse, den Teufel in Gott zu begreifen, zu fassen,die Entgegengesetzten in Eins zu bringen und sie zu binden, im Hinter-gründe sei stets der speculativste Gedanke, der aber nicht zu seiner ihmangemessenen Darstellung komme. W'as Hegel unter dem speculativenGedanken versteht, würde, wenn man es nicht aus seiner Logik und Re-ligionsphilosophie &c. wüsste, hinreichend klar aus den Worten zu ent-nehmen sein: — »So fehlt dem Glauben vorzüglich diese Einheit. SeineMomente fallen als besondere Gestalten auseinander, besonders die höchsten
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