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Der Kaiser Ferdinand und der Herzog von Friedland während des Winters 1633-1634 : nach handschriftlichen Quellen des Königlich-Sächsischen Haupt-Staat-Archivs und mit kritischer Berücksichtigung der gedruckten Berichte dargestellt / von Karl Gustav Helbig
Entstehung
Seite
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Schmause auf die Burg. Gegen 8 Uhr, ehe der Nachtischaufgesetzt worden, entfernte man die Dienerschaft der Gasteaus dem Speisesaale und ließ sie zum Essen in die Kücheführen, deren Thüre verschlossen und mit Dragonern besetztwurde. Darauf drangen von 2 Seiten Dragoner mitHellebarden unter Anführung des Geraldin und Deverourin den Speisesaal und riefen: ,,Viva la casa dAiistria.Wer ist gut kaiserisch?" Die Verschworenen ergriffen dieLeuchter vom Tische und zogen sich mit dem AusrufeVivat Ferdinandus zusammen nach der Wand des Saaleszurück, worauf die Dragoner den Tisch umwarfen und dieGäste niederstießen. Kinsky und Jlow fielen sogleich,Tcrzka vertheidigte sich an einer Wand noch eine Zeit langund verwundete und tödtete mehrere Soldaten; Neumannentkam schwer verwundet aus dem Saale , stürzte jedochbald todt nieder. Gordon blieb auf der Burg, währendButtler und Leslie in die Stadt und auf den Markt gin-gen. Nachdem sie sich überzeugt, daß Alles sicher sei, drangunter Buttlers Leitung Deverour mit zwölf Dragonerndurch das Hintergebäude über eine Gallerte in das Wohn-haus des Herzogs, der sich bereits niedergelegt hatte, aberdurch das Geschrei im Nebenhause, wo die GräfinnenTerzka und Kinsky eben den Tod ihrer Männer erfahren,aufgeschreckt worden war. Er riß das Fenster auf, umzu fragen, was es gebe. Da sprengten die Dragoner,nachdem sie den Kammerdiener im Borsaale weggestoßenhatten, die verriegelte Thüre, und von Deverour' Partisanedurchbohrt stürzte der Herzog, der sich nach ihnen umge-dreht, lautlos zusammen. So fiel er nicht ohneschwere Schuld, aber vor der Verantwortung,die auch derVerbrecher zu fordern befugt istmeuchlerisch gemordet auf eigenmächtige Veranstaltung einesObersten, der in der Leidenschaft unbefriedigten Ehrgeizesdurch rohe Gewaltthat die gnädige Aufmerksamkeit seinesKriegsherrn zu verdienen hoffte.