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Attraction) und suchte ihn als blossen (versteckten) Druckwegzuerklären, so wie in demselben Geiste in der Ethik alleLiebe geleugnet, und als blosser Trieb ■— unfreie Leiden-schaft — erklärt wird.
Die Religion spricht darum in ihrem Hauptgebote: „LiebeGott über Alles, deinen Nächsten aber wie dich selbst“ in derThat das Princip alles wahrhaft freien Gemeinlebens undGemeinwesens (wahrer Freiheit und Gleichheit) aus, so wie um-gekehrt das Princip aller unfreien Gemeinschaft (aller Despotie)durch die entgegengesetzte Maxime ausgesprochen wird: „Liebedich selber über Alle, Gott aber und deinen Nächsten um deinerselbst willen!“
Die christliche Religion als Religon der Liebe ist sohinauch allein die Religion der Freiheit.
Wo immer also wahrhafte Liebe (nicht Trieb oder Leiden-schaft) zwischen Menschen sich äussert, da ist diese im Grundereligiöser Natur, so wie im Gegentheil wahre Religiosität nie ohneAeusserung der Liebe sich einfinden kann. Umgekehrt wurzeltalle Nicht-Liebe in Irreligiosität, und alle Irreligiosität äussertsich als Nicht-Liebe.
Der Unterschied freier Liebe vom unfreien Trieb äussertsich besonders klar im Geschlechtstrieb, welcher häufig mitherzlichem inneren Hass zusammen besteht, und wir sehen sogardiesen Geschlechtstrieb beim Eintritt wahrer Liebe nicht nurabnehmen, sondern bisweilen selbst ganz erlöschen.
Indem die Liebe die Menschen gegen und von einanderfrei macht und erhält, macht sie dieselben doch keineswegs voneinander los, sondern verbindet sie im Gegentheile zu einemgemeinsamen einander helfenden und fördernden Leben auf dieinnigste und unzertrennlichste Weise.
Die Liebe äussert sich somit als wahrhaft organischesund organisirendes Lebensprincip; sowie der Hass als des-organisirend oder als anorganisches Princip.
Verbindung setzt Ungleichheit zwischen den sich Ver-bindenden voraus, weil zwischen Gleichen nur Anhäufung(Aggregation) statt findet, und die Verbindung, als Actus (Wirk-