setzen, wodurch der männliche, ritterliche Geist derselben ent-stellt und erschlafft worden ist, und vergessen ward, dass jenesLamm Juda ein Löwenherz im Busen trägt. — Eben so hatman die herrliche Tugend (vis — Kraft) der (inneren undäusseren) Resignation oder Gelassenheit nicht selten mit jenerfaulen Willenlosigkeit vermengt, welche die Quelle alles Schlechtenist; wesswegen denn auch der christlichen Religion, obschonganz mit Unrecht, der Vorwurf gemacht ward, dass sie derDespotie den Missbrauch und die Misshandlung der Menschenerleichtere; wogegen die einzige Lehre Pauli (Ephes. 6. 7.„Lasset euch dünken, dass ihr dem Herrn, undnicht den Menschen, dienet“)*) allein schon hin-reichend spricht. In der That hat es auch kein weltlicher undkein geistlicher Despot noch mit dem Chrisfenthume aufrichtiggemeint, und jeder suchte dasselbe auf seine Weise zu unter-drücken. Die schlimmste Unterdrückungsweise war aber immerdie heuchelnde.
Aber den auffallendsten und unwiderlegbarsten Beweis dergänzlichen Unverträglichkeit des Christianismus mit Despotie undSclaverei gibt uns die Geschichte unserer Zeit, d. h. die Geschichteder französischen Revolution, deren Koryphäen sich nicht mit Un-recht rühmten, dieselbe vorzüglich durch Ausrottung öden wenig-stens Aussercreditsetzung der christlichen Religion herbeigeführtzu haben. Wirklich sahen wir auch bei diesem Volke mehr alsbei irgend einem anderen mit dem Geiste der Religion jenenGeist wahrer Erhabenheit und aufrichtiger Demuth der Gesinnungverschwinden, und den frechsten Uebermuth mit der niedrigstenNiederträchtigkeit an seine Stelle treten, und während die Politikschier aller übrigen Staaten völlig irdisch (eitel) geworden war,sprach sich die der Revolutionsregierung zuerst laut, frech undoffenherzig als wahrhaft höllisch aus, sich nicht bloss lossagendvon aller Religion, sondern dieser selbst überall mit teufelstrunkenem
*) Wer dem Menschen um Gottes willen dient, ist kein Menschen-Unecht.