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den niedrigeren hervorruft, d. i. ob die Despotie monarchische,aristokratische oder demokratische Form annimmt.
Bekanntlich hatte man bei dem Ausbruche der französi-schen Revolution das Hervortreten des Uebermuthes in denniederen Ständen dieses Volkes uns als einen Beweis errungenerFreiheit angepriesen. Eben so unverständig setzten Anderedas Heil des Staates bloss in die Form (Verfassung), jenesGemeingeistes (der Religion) vergessend, ohne welchen alleFormen der Gesellschaft drückend und unleidlich werden.
Wer nemlich sonst auch nichts von dieser Religion haltenwürde, der könnte ihr doch die Erlösungskraft von Sünde(Menschenverachtung und Mensehenhass) nicht absprechen, welchesie in radicaler Venvandelung der Gemiither noch täglich beweiset,indem sie noch täglich stolz und despotisch gesinnte Gemütherin demüthige, niederträchtig oder sclavisch gesinnte in erhabengesinnte, feindselige und übelthätige in liebreiche und wohlthätige,unverträgliche in friedsame umgestaltet. Und jeder Mensch kannsich entweder selbst (indem er sich aufrichtig jenem Gemiithver-wandlungsprocess und seinen Bedingungen oder seinem Gesetzunterzieht), oder (falls er an sich diese Probe nicht machen will)wenigstens an Anderen von der Richtigkeit dieser Thatsacheüberzeugen. Wesswegen denn auch der Hass (sei derselbe offen-bar, oder sei er als Indifferenz versteckt) gegen diese von Sünden-lust und Sündenmacht erlösende, den Menschen hiemit allein vonaller Despotie und Sclaverei wahrhaft und gründlich befreiendeReligion nur in eigener Schlechtigkeit der Gesinnung, in Lustzur Despotie und Sclaverei, sich gründen kann.
Klar geht nun aus der bisherigen Darstellung hervor, dassjeder Despotismus, sowie jede denselben fröhnende Sclavereianti chris tisch, d. i. der Macht der Sünde selbst frühnend,und dass jeder Christ verpflichtet ist, diesen Geist des Ueber-muthes und der Niederträchtigkeit in und ausser sich als denwahren Erbfeind des Christenthums zu bekämpfen.
Man that seit geraumer Zeit sehr übel daran, von denbeiden Polen des Geistes unserer Religion, der Liebe des Gutenund dem Hass des Bösen, nur den ersteren in das Licht zu