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Zweiter Band.
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liehen und der geistlichen Macht, noch mit ihrer Trennung, mögesich diese Trennung nun als Indifferenz oder als offene Oppositionkund geben*).

Seit vielen Jahren verbanden sich (in und ausser Frank-reich) Fleiss, Talente und Macht, den Geist des Christenthumsaus allen Zweigen menschlichen Wissens zu bannen, und derBaum des Erkenntnisses ist in der That durch diese boshaftenBemühungen gleichsam neuerdings zur Giftpflanze geworden.Diesem Uebel muss also auch mit allem Emst und Nachdruckentgegengewirkt werden, falls jene Gegenrevolution Bestandhaben soll. Denn wie es gewiss ist, dass das moralische Ver-

*) Erdmann lässt der Staatslehre Baaders viel Gerechtigkeit wider-fahren. Wenn er ihr aber eine Hinneigung zur Absorption des Staates indie Kirche zuschreibt, so wird diese Meinung durch die bestimmtestenErklärungen Baaders, welche sich in einer ganzen Reihe seiner Schriftenin verschiedenen Wendungen wiederholen, widerlegt. Die Nichtvermischungund Getrennthaltung der geistlichen und weltlichen Macht ist ihm dieGrundfeste der Freiheit aller geistigen und politischen Entwickelung.Man vergleiche besonders das oben im Texte hierüber Gesagte mit dendamit übereinstimmenden Aeusserungep im V. Bande der s. Werke S. 307,wo sich Baader auf Dante beruft, dann S. 313. Wenn Baader am letzterenOrte ausdrücklich den Glauben der Delegation der weltlichen Macht durchdie geistliche als einen dem wahren Wesen des Christenthums und desKatholicismus fremden bezeichnet, so darf man ihn gewiss nicht mit Erd-mann als einen Genossen derjenigen darstellen, welche der Kirche dasRecht einräumen, die Grenzen auf dem Erdglobus feslzustellen. (Vergl.Erdmanns Entwickelung der deutschen Speculation seit Kant II, 812.)Auch können wir nicht zugeben, dass Baader, wie Erdmann meint, alleGeschichte in Kirchengeschichte aufgehen lasse. Seine Ansicht ist viel-mehr nur die, dass alle Geschichte näher oder entfernter mit der Religionund ihrer Geschichte Zusammenhänge und, inwiefern die Religion derAngelpunct aller Geschichte sei, alle Geschichte in ihrem tieferen Grundeals Religionsgeschichte gefasst werden könne. Auf diesen Standpunct hatsich auch Gladisch gestellt, indem er im Vorwort zu seiner Schrift: DieReligion und die Philosophie in ihrer weltgeschichtlichen Entwickelung &c.erklärt, seine zwanzigjährigen Forschungen hätten ihn zu dem klarenErgebniss geführt, dass die ganze Weltgeschichte in ihrem tiefsten Grundeund innersten Wesen eigentlich nur Geschichte der Religion sei. H.