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wegs die Einimpfung des Revolutionismus als das beste Mittelgegen die Infection des Staates, im Sinne des Jacobinismus, viel-mehr jenes Mittel vorgeschlagen werden will, durch dessen Ergrei-fung jede bestehende Regierung sich wahrhaft populär zu machen,somit wahrhaft sieh zu constituiren, nicht verfehlen könnte.Denn dass es damit schon gethan sei, dass man diese Proletairsnur den Polizeigerichten zuweiset, um von ihnen den Ersatz ihrerverlorenen Hörigkeit wieder zu erhalten — wird wohl Niemandbehaupten wollen.
Man sieht aus der vorliegenden Schrift, dass Baader schonziemlich frühe erkannt hatte, dass die Hauptfrage in den öffent-lichen Angelegenheiten unserer Zeit eine sociale ist, obgleichihm die politische darum nicht als eine unbedeutende erscheint.So sehr nun auch Baader den falschen und extremen Socialismusund Communismus eines Saint-Simon, Fourier, Owen &c. bekämpft,so glaubt er doch hinter diesen zum Theil bis zum crassestenUnsinn getriebenen Bestrebungen einen Rest der Wahrheit, einenKern relativer Berechtigung, anerkennen zu sollen und ist derUeberzeugung, dass nur die Anerkennung und gesunde Heraus-bildung dieses Kernes der Wahrheit den gefährlichen Verzerrungender Socialisten und Communisten ein Ende machen könne. Dieserichtige Ansicht hat seit dem Erscheinen der vorliegenden Schriftsehr an Verbreitung gewonnen und wird wohl gegenwärtig vonallen tüchtigen Staatswissenschaftslehrern getheilt, welches auchdie besonderen Formen seien, in denen sie die ächten Forderun-gen des Socialismus in der rechtlichen Ordnung der Gesellschaftverwirklicht sehen zu können glauben. Diess ist auch der Grund,wesshalb Baader seine praktische Philosophie Societätsphilo-sophie nennt, welche in seinem Sinn und Geist die Moralphilo-sophie, Rechts- und Staatsphilosophie, so wie die Philosophieder Kirchen-Reehts- und Vcrfassungslelire umfassen sollte. Manwird es daher auch nicht unpassend nennen können, dass wireinen Theil der kirchlichen Schriften Baader’s der Societätsphilo-