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Die silurische Fauna des Unterharzes nach Herren C. Bischof's Sammlung / bearb. von C. Giebel
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Silurische Fauna des Unterharzes.

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sich auf andere Muscheln fest und ihr Fuss sondert hier eine hufeisenförmige Kalkmasse ab.Lamark räumte dieser Eigenthümlichkeit nur eine untergeordnete Bedeutung ein und ordneteHipponyx seiner Pileopsis als Subgenus unter. Diese Gattung hatte er bereits 1812 aufge-stellt, aber erst 1822, ohne von Montfort Notiz zu nehmen, speciell charakterisirt. SeineDiagnose führt die wesentlichen Eigenthümlichkeiten dieses Thieres und des Gehäuses auf, unddie zehn ihm bekannten Arten sonderte er in die beiden Gruppen: coquille sans Support connu,und coquille ayant Support connu. Deshayes theilte anfangs Lamarcks Ansicht, nahm späteraber die Gattung Hipponyx wieder als selbständige auf, indem er die Kalkabsonderung desFusses und die daraus folgende Lebensweise des Thieres für so tief in der Organisation be-gründet erachtete, dass sie zur generischen Trennung nöthige. Andere Conchyliologen folgtenihm hierin, allein nach Reeves Beobachtungen sondert ein und dieselbe Art bald eine Kalk-platte ab, bald aber erzeugt sie durch Resorption auf ihrer Unterlage eine Vertiefung, daherdiese Eigenthümlichkeiten blos individuell sind, durch zufällige Umstände veranlasst werden,also auch keine generische Bedeutung haben können. Indess war mit den drei identischenNamen Capulus, Pileopsis und Hipponyx, der Gattungstypus noch nicht anerkannt, es warenneue Namen nöthig. Schon im Jahre 1817 führte Schumacher für die ächten Capulusartenden Namen Amalthea und Rang im Jahre 1828 für den Typus der Lamarckschen Pileopsissquamaeformis den von Deshayes alsbald wieder unterdrückten Namen SpiricAla ein. EinigeJahre nur reichten diese Namen aus, da fühlte im Jahre 1841 Phillips das Bedürfniss ihreAnzahl zu vermehren. Auf die flüchtige Diagnose:Gehäuse schief spiral, der Wirbel frei,die Mündung weit, ohne Spindel, ein tiefer Sinus in der rechten Lippe begründet er für zweidevonische Arten den ganz sprachwidrig gebildeten Gattungsnamen Acromlia (statt(Acrocyllia).Morris und MCoy nahmen denselben anfangs auf, liessen ihn aber später als unbegründet fal-len, während de Köninck ihn ohne Weiteres Capulus als synonym unterordnet. In Deutsch­ land wurde er frühzeitig von A. Roemer eingeführt und von diesem allein auch ohne neueRechtfertigung bis jetzt noch aufrecht erhalten. Weder die Philippssche Diagnose noch dieArten selbst weisen irgend welche Eigenthümlichkeiten auf, die zu einer generischen Scheidungvon Capulus ausreichten. Ganz unbeachtet blieb G. Fischers identische Gattung Actita vomJahre 1825, obwohl im Jahre 1844 mit einer Actita Münsterana wieder an dieselbe erinnertwurde. In dieser Zeit tauchten auch in Amerika für paläozoische Gehäuse dieses Typus neueNamen auf, nämlich Conrads Platyceras, dessen Arten sich als ächte Capulus erwiesen, unddesselben und Vanyxems Cyrtolithes, wohin fragliche auf Euomphalus, Capulus und selbst aufCephalopoden bezügliche Gehäuse gehören. J. Hall schied mit triftigeren Gründen den TypusPlatyostoma aus, welcher Name nicht mit Meigens 1803 unter den Fliegen, und Agassiz 1829unter den Fischen verbrauchtem Platystoma zu verwechseln ist, allein es scheinen unter dessenArten sich auch ächte Capulus zu verstecken. Die lebenden Arten endlich haben in Gray ihregenerische Zersplitterung erfahren. Derselbe verweist unter Sabia diejenigen Capulus, derenWirbel kegelförmig und nicht spiral eingerollt ist und deren Fuss eine Vertiefung an seinerHaftstelle erzeugt, unter Amathina solche mit kaum spiraligem Wirbel am hintern Ende undmit dreirippigem Gehäuse, für die übrigen hält er Hipponyx und Capulus aufrecht.