Band 
Zehnter Band.
Seite
X
JPEG-Download
 

X

sein, welche sie wollte. Und in der That, es hat an Variationendes Materialismus nicht gefehlt! Man vergleiche den Materialismusder alten Inder mit dem der Griechen und Römer, unter denGriechen jenen des Leukippos und Demokritos mit jenem desEpikur, den Materialismus des Mittelalters mit jenem der Zeitzwischen Fr. Baco und Newton, Cartesius und Leibniz, und diesenwieder mit jenem der Franzosen des vorigen und der Deutschen desgegenwärtigen Jahrhunderts. Welch eine Musterkarte der mannig-faltigsten Variationen desselben Grundthemas! Und vollends dieneueste Phase des Materialismus bei den Deutschen 1 Geht es mitder Productivität dieser systembildenden materialistischen Geisterin Deutschland auch nur ein Jahrzehent lang so fort wie seit einigenJahren, so werden wir mit ganzen Dutzenden von erheblich aus-einandergehenden Systemen des Materialismus beglückt werden,die zuletzt sich selber ernstlich in die Haare gerathen müssen,und einander gegenseitig auft'rcssen dürften, wie jene Löwen, vondenen nach dem gegenseitigen Vernichtungswerke nur die Schwänzeübrig geblieben sein sollen. Wenn man nicht wie der edle Ritter vonla Mancha statt gegen Ritterschlösser gegen Windmühlen kämpfenwill, so muss man vor Allem wissen, was denn unter Materialismuszu verstehen ist. Es ist nun aber klar, dass keine Art des MonismusMaterialismus im strengen Sinne des Wortes sein kann, also auchnicht der monistische Naturalismus; denn ein einheitliches Wesen,welches das All der Dinge hervorbringt oder begründet, erhält undbeherrscht, kann niemals, selbst wenn es nichts Anderes als Natur-kraft, oder wenn es Geistes- und Naturkraft zugleich wäre, seinemWesen nach materiell sein *). Der Materialismus im strengen

*) Baader nimmt den Begriff des Materialismus freilich öfter in einemweiteren Sinne, indem er jedes System materialistisch nennt, welches denunendlichen Geist oder die unendliche Natur (natura naturans) sich in derirdischen Materialität vollenden lässt, oder welches überhaupt die irdischeMaterialisirung der Natur für gesetzmässig und nothwendig annimmt oderbehauptet. In diesem Sinne erhebt er selbst gegen Schelling, Hegel,Günther &c. den Vorwurf des Materialismus, d. h. den Vorwurf, dassdiese Systeme insofern ein materialistisches Moment in sich trügen, inwie-fern sie eben die materialisirte Form der irdischen Natur entweder für