XII
an sich nicht bewusst, aber sie sind fähig, unter bestimmten Com-binationen Bewusstsein zu erzeugen, sie sind an sich nicht wollendeWesen, aber fähig, sich mit gewissen anderen Atomen so zu ver-binden, dass der Complex dieser Atome als wollendes Wesen er-scheint. Der Materialismus ist von Seiten der ErkenntnistheorieSensualismus und folglich überhaupt Empirismus. Er verwirft allenApriorismus und folglich im Grunde alle eigentliche Metaphysik,und, indem er alles wahre Wissen für Erfahrungswissen erklärt,macht er die Philosophie zu einer blossen Erfahrungswissenschaft.Nicht alle, welche die Philosophie für eine Erfahrungswissenschafterklären, huldigen dem Materialismus. So war schon Locke nichtMaterialist, so sind es auch nicht Benekc, Opzoomer und neuestensGruppe *). Zu allen Zeiten aber hat der Empirismus zum Ma-terialismus geführt und auch Gruppe wird dem Schicksal nichtentgehen, dem Materialismus Vorschub zu leisten.
Wenn nun aber der Materialismus alles Apriorische als Hirn—gespinnst principiell verwirft, so fragt es sich, ob er seinen Stand-punct auch consequent festhalten kann**)?
*) Gegenwart und Zukunft der Philosophie in Deutschland von Gruppe.Berlin, Reimer 1855.
**) Begründen kann er ihn ohnehin nicht. Was er Begründung nennt,ist weiter nichts als die kritiklose (blinde und willkürliche) Voraussetzung,dass die sinnliche Empfindung und Wahrnehmung unmittelbar Wahrheitgewähre und allein Wahrheit gewähre, so dass jede Ueberschreitung desSinnlichen unberechtigt sei und zu Phantomen führe. Der Materialist merktfreilich nicht, dass er sich unler dieser Voraussetzung alles Denkens ent-halten müsste, um nicht Phantome zu erhaschen. Der Materialist erschricktnicht, darauf zu entgegnen, das Denken sei eben selber sinnliche Thätig-keit und nichts weiter, so lange also das Denken am Sinnlichen fortgehe,könne es nicht irren. Allein selbst wenn man das Denken als sinnlicheThäligkeit zugeben könnte, was nicht der Fall ist, würde man doch nichtumhin können, das (sinnliche) Empfinden, Anschauen und Wahrnehmenvon dem (als sinnlich vorausgesetzten) Denken zu unterscheiden und eswürde nicht erhellen, mit welchem Rechte das letztere über das crstcrehinauszugehen berechtigt wäre. Es würdo z. B. nicht erhellen, mit wel-chem Rechte das Denken Atome annimmt, indess das Wahrnehmen solchenicht gewahrt und nicht gewahren kann. Wenn der Uebergang des Den-kens von dem Sinnlichen zu Ucbersinnlichem gänzlich unberechtigt sein