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Die im Vergleiche zu den Gefechten anderer Stellungen,selbst der durch Natur und Kunst stärksten, ungewöhnliche Wider-standsdaucr einer Festung fordert uns zu einer nähern Be-trachtung auf, denn wir müssen in derselben ein eben so eigen-thümliches, als wichtiges Resultat kriegerischer Thätigkeit er-blicken.
Die Widerstandsdauer der Festung als ein Erfolgbetrachtet, welcher erstrebt werden soll, oder erkämpft wor-den ist, wird zu einem Mittel, welches die Strategie für dieHähern Zwecke der Kriegführung fordert und gebraucht; denVertheidiger selbst geht dieß nichts an und noch viel weni-ger gehört es in den Kreis unsrer Betrachtungen; wir habenvielmehr nur die taktischen Eigenthümlichkeiten und Wirkungender Widerstandsdaucr in Betracht zu ziehen. Von dem tak-tischen Standpunkte aus angesehen äußert sich die Widerstands-dauer, als Gefcchtsclcinent, in folgenden Richtungen: alsKraftäußerung des Vertheidigers, als Mittel, dievolle Widerstandsfähigkeit, Gcfechtskraft, der Fe-stung zu entwickeln, als Mittel die Angriffskraft desBelagerers zu erschöpfen, oder in einzelnen Fällen diedem Belagerer für die Einnahme der Festung dis-ponible Zeit unzureichend zu machen und endlich alsein die Widerstandskraft der Festung, wie des Ver-theidigers aufzehrendes Element.
Wenn der Vertheidiger mit der Aeußerung seiner Gefechts-kraft eine so lange Zeitdauer ausfüllen soll, wie es der Wider-stand gegen den förmlichen Angriff mit sich bringt, so ist esunerläßlich, die mit jener Kraftäußerung verbundenen Anstren-gungen und Opfer streng zu regeln und über die verschiedenenAkte und Momente des Gefechts je nach deren Wichtigkeit undentscheidender Kraft in einem entsprechenden Verhältnisse zuvertheilen. Dieses Verhältniß muß vor allen Dingen die Schwä-chen auszugleichen oder in ihrer Wirkung zu ermäßigen trachten,