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Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
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378
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378 Erhebung und Senkung grosser Landmassen wahrend Erdbeben. I

Kraftäusserung sein, die den Boden nach aufwärts drängt. Obgleich jgeschmolzene Masse dergestalt über einen grossen statt über einenkleineren Flächenraum erhoben werden kann, so kann doch die Ober-fläche der Erde zerrissen, Erdbeben hervorgebracht und Land dauernderhoben werden, wie später berührt werden soll, durch die blosse Aus-dehnung eines beträchtlichen Theils der Erdrinde, indem die Wider-stände nach oben zuletzt etwas plötzlich überwunden werden.

Es muss viele Grade der Kraftäusserung geben von der, wo sichdie kleinere Masse eines vulkanischen Berges ins Gleichgewichtsetzt, bis zu der, wo grosse Massen der Erdrinde entweder erho-ben oder gesenkt werden und zwar durch solche plötzliche BeWC'gungen, dass Erdwellen von verschiedener Grösse den anliegendenGesteinen mitgetheilt werden. Da die geologische Wichtigkeit derErhebung oder Senkung des Landes, besonders an Meeresküsten, voll'ständig anerkannt ist, so ist es sehr wiinschenswerth, dass bei jeder sichdarbietenden Gelegenheit genaue Untersuchungen in Bezug auf das Mao® 3der Erhebung oder Senkung über oder unter ein etwas beständige 3Niveau angestellt werden. Der mittlere Fluthstand an Meeresküstenist für diesen Zweck sehr angemessen, und diesen kann man oft mdhinreichender Genauigkeit erhalten. In gewissen Ae^tuarien könnt 11eine Veränderung in einem Theile des Meeresbodens die Ebbe und jFluth influcnciren, so dass eine grössere oder geringere Wassermeng 6nach Orten fliesst, wo keine merkliche Veränderung des relativen N 1 'veaus des Landes und Meeres stattgefunden hat. Durch Bezugnahmeauf Karten von Aestuarien, namentlich solcher, die ausgedehnte Sand'bänke an ihrer Mündung haben, wird ein Beobachter sehen, wie " r6 "sentlich die Gezeiten von ihrer Thätigkeit durch mässige Erhebungenoder Senkungen an ihren Mündungen influencirt werden können. B® 1einigen, wo die mit der Fluth eintretende Wassermenge so bedeutendist, dass sie bei der Ebbe einen Canal offen hält, besonders wo ein 6seichte Küste der Wirkung einer heftigen Brandung ausgesetzt ist, ka nI1das Wasservolumen, welches herauf und herunter geht, sehr wesentlichmodificirt werden.

Neue Beobachtungen an der westlichen Küste von Amerika, di 6glücklicher Weise so ganz oceanisch und von keinen grossen Fliiss eI)durchschnitten ist, haben vollständig die Erhebung ausgedehnt 61-Küstenlinien während Erdbeben dargethan. Bei dem Erdbeben ltt>November 1822 , welches von Norden nach Süden auf eine Entf 61nung von ungefähr 300 deutschen Meilen wahrgenommen ward 6 »wurde die Küste bei Quintero vier Fuss, und bei Valparaiso dr 6 *Fuss über ihr früheres Niveau erhoben; Mrs. Graham erzählt, da 33Austern und andere Mollusken aus dem Meere erhoben wurden und h e _ihrer Zersetzung einen widrigen Geruch verbreiteten. Heyen l® 11neun Jahre später Algen und Muscheln an der so erhobenen Küste an