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Vorschule der Geologie : eine Anleitung zur Beobachtung und zum richtigen Verständniss der noch jetzt auf der Erdoberfläche vorgehenden Veränderungen sowie zum Studium der geologischen Erscheinungen überhaupt : nach dem "Geological Observer" des Sir Henry T. de la Beche : mit über 300 in den Text eingedruckten Illustrationen in Holzschnitt / Henry T. de la Beche ; frei mit Zusätzen bearbeitet von Dr. Ernst Dieffenbach
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377
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Erhebung und Senkung grosser Landmaesen wahrend Erdbeben. 377

e 'n Getöse mächtigen Erdstössen vorausgeht, wie man bisweilen beob-achtet, so scheint es hauptsächlich aus Schwingungen hervorzugehen,die keine eigentlichen Erdbeben hervorrufen können, denen grössereErdwellen nachf'olgen. Die anhaltenden unterirdischen Töne, die wäh-r end eines Monats in Guanaxuato irn Jahre 1784 gehört wurden, lie-fern ein gutes Beispiel von solchen Schallerscheinungen, die von kei-nen Schwingungen begleitet waren, welche Erdbeben genannt werdenkonnten *).

Abgesehen von den grossen Erdwellen und ihren Folgen sind diedauernden Erhebungen und Senkungen des Landes in Folge von Erd-beben wohl zu beachten, da solche Wellen bloss Bewegungen seinkönnen, die aus den Ursachen hervorgehen, welche diese dauerndenNiveau Veränderungen hervorbringen und sich bisweilen über beträcht-liche Areale erstrecken. Es begreift sich leicht, dass eine aus dem In-nern der Erde nach aussen wirkende Kraft, welche Theile ihrer festenE'nde zerreisst und sonst stört, solche Theile in Bewegung setzen kann,,n dem sie Erdbeben hervorbringt, welche zwar für den Menschen undSeine Werke oft so schrecklich verderblich, aber nichts desto wenigerUnbedeutend sind, wenn sie durch einen sehr geringen Theil des Erd-r adius gemessen werden. Wir haben gesehen, dass geschmolzene Masse,fc in Spalten erhoben wird, welche in der relativ kleinen Masse einesulkans gebildet sind, sein Volumen vergrössern, indem sie den Bodenltl seiner Nähe auf eine Weise erheben, welche in der Nähe von Ufern"^chtige Veränderungen hervorrufen kann. Es lässt sich daher erwar-* ei fo dass, wo kein sehr leichter Ausweg, wie ihn ein Krater oder diee den eines Vulkans gewähren können, für eine grössere Masse ge-schmolzener Materie, welche gegen die Hindernisse drängt, zugegengrössere über weitere Areale sich erstreckende Brüche gebildetS^den können, die die zerrissenen und benachbarten Gesteinsmassen^ Bewegung setzen, und das geschmolzene Gestein, so weit es die^Stände erlauben, in seiner neuen Lage bleibt. In einem solchenbe würde das Erdbeben bloss eine secundäre Wirkung in Folge der

Humboldt (s. Kosmos) sammelte eine Menge von Thatsachen über die-sen Gegenstand.Das Getöse begann am 9ten Januar 1784 um Mitter-nacht. Von dem 13ten bis zum litten desselben Monats war es, als wennschwere Gewitterwolken unter den Füssen der Einwohner sich befänden,lD denen langsam rollender Donner mit kurzen Donnerschlägen abwech-selte. Das Getöse hörte allmiilig auf, wie es begonnen hatte; es war aul® ; nen kleinen Raum beschränkt, denn es wurde nicht in einem basaltischenDistricte in einer Entfernung von nur wenigen Meilen walirgcnommen.uMan nahm weder an der Oberfläche noch in den Minen in einer Tiefev °n 1598 engl. Fuss das geringste Erzittern des Bodens wahr.WieS)ch also Spalten im Innern der Erde schliessen oder öffnen, so wird die, 0r tpflanzung der Schallwelle entweder in ihrem Laut aufgehalten oder

fortgesetzt, bis sie dem Ohre begegnet.lft lieche, Geologie.

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