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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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IX
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IX

Macht wird in einer nicht allzufernen Zukunft viel-leicht nicht nur sehr allgemein bezweifelt, sondernselbst als Ammenmährchen und Köhlerstumpfheit be-zeichnet, und derjenige als der thörichtste der Phan-tasten erklärt werden, welcher noch den Muth hat,die Abhängigkeit des Materiellen vom Geistigen alsdie erste Grundlage aller wahren Erkenntniss anzu-sprechen.

Gegen solche gewaltthätige Scheidung der Seelevom Leibe, des Geistes von der Natur, noch mehrgegen alle knechtische Unterwerfung des Geistes unterdie Materie fast mit dem ersten Erwachen seineshöheren Bewusstseins schon als rüstiger und stetsbereiter Kämpfer aufgetreten zu sein, ist das hohe,unbestreitbare Verdienst Franz von Baaders gewesen.Denn auch das, was gleichzeitig mit ihm (im Grpndefreilich anfänglich erst etwas nach Baader) auf die-sem Boden die Identitätslehre für die Pneumatologieleistete, wurde von Baaders rasch voranschreitendemund voraussehendem Geiste bald als eine keineswegssichere Basis eines philosophisch begründeten christ-lichen Monotheismus erkannt. Der Gott der Identi-tätslehre, das Absolute eine so hohe Bedeutungauch in ihm enthalten sein mag ist ein Neutrum,ein Urgrund, eine zweideutige chaotische Indifferenz,aber kein Wille, keine Person, kein Herr, sondernhöchstens nur eine Macht. Durch ein solches, wennauch an sich hinlänglich gewichtiges Resultat konntesich Baader nicht befriedigt fühlen. Schon den ein-undzwanzigjährigen , in den heiligen Schriften derChristen ebenso belesenen wie erfahrenen Katholiken