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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
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läge und Entwicklungsgang des noch jüngeren Baaderhier mit einigen Worten näher einzugehen.

Franz von Baader, dritter Sohn des kurfürstlichbayerischen Leibarztes Franz Paula Baader, wurdeim Jahre 1765 zu München geboren. Zufolge einerEntwicklungskrankheit längere Zeit geistig niederge-halten, erwachte er nach seinem lOten oder IltenJahre bei dem Anblick geometrischer Figuren plötz-lich wie aus einem tiefen Schlafe und holte alles bisdahin Versäumte so rasch nach, dass er bereits inseinem sechszehnten Jahre, um Medicin zu studiren,die Universität zu Ingolstadt (1781) beziehen konnte.Nach dreijährigem Aufenthalte an dieser Hochschuleund Erwerbung des medicinischen Doktorgrades anihr ging Baader im Jahre 1784 auf zwei Jahre nachWien, um noch den Unterricht des berühmten Stollzu geniessen. Im Jahre 1786, mit welchem auch dieTagebücher beginnen, finden wir unseren einundzwan-zigjährigen Philosophen, nach München zurückgekehrt,bereits als Assistenten seines Vaters bei dessen aus-gebreiteter Praxis. Bald aber überzeugten sich Beide,wie wenig der Sohn Baader, trotz aller Geschicklich-keit und Einsicht, zum praktischen Arzt geeignetwar. Wie er selbst sagte, war jeder Kranke seinFreund und nahm seine ganze Theilnahme in An-spruch: eine Theilnahme, die bei zu grosser Stei-gerung jeden Arzt innerlich aufreiben müsste, beiBaaders damals sehr geschwächter Constitution abernur den nachtheiligsten Einfluss auf seine Gesundheitausüben konnte. Er gab daher den ärztlichen Beruffür immer auf, widmete sich dem Bergbauwesen,