XXVII
Auch ist dies nichts weniger als ein flüchtiger An-hauch eines sentimentalen Gefühlschristenthumes. Derforschende Blick ist vielmehr durchaus mit merk-würdiger Nachhaltigkeit nach den innersten Central-wahrheiten des Christenthums gekehrt. Ja, der Jüng-ling Baader ist sich sogar durch und durch bewusst,was es heisse, sich, die Welt und die Wissenschaftzu christianisiren. Deshalb tritt schon sehr früh inden Tagebüchern die Tendenz hervor, sich den In-halt der Theosophen zu amalgamiren und den Kampfmit der Zeitphilosophie zu beginnen. Und hier istes, wo wir bereits in dem Jünglinge dem Philosophenvon Beruf begegnen, der weder zum Arzt, noch zumBergmann bestimmt war. Die Philosophie, welchedamals die Zeit, wenigstens in Deutschland, auf dasMächtigste bewegte, war die Kantische. Auch aufBaader verfehlte sie nicht, ihren gewaltigen Zauberauszuüben. Er war sich wohl bewusst, dass mit ihrund durch sie das Alte gerichtet, und eine neue Zeitangebrochen sei. Nicht selten wirkt die Ueberzeu-gung des durch Kant gebotenen Neuen und Wahrenauf unseren jungen Philosophien so mächtig ein, dasser mit dem, was ihm sonst noch als Wahrheit un-erschütterlich feststeht, in einen eben so merkwürdi-gen als bedeutenden Conflikt geräth. Namentlichtritt das während seines Aufenthaltes in England aufdas Unzweideutigste hervor. Aber der grosse Gegnerkann Baader’s nicht Herr werden, und dieselben Ge-danken , welche schon im Anfang des Tagebuchesden Kantischen Einfluss deutlich zu transscendirenbeginnen, brechen sich schliesslich vollständig Bahn