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11 (1850) Franz von Baader's Tagebücher aus den Jahren 1786 bis 1793 / herausgegeben von Emil August von Schaden
Entstehung
Seite
XXXII
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getreu sich von Anfang bis zu Ende die adeligeNatur, die hohe Begabung und das gute Bewusstseinunseres Philosophen geblieben sind.

Wenn es sich nämlich nach allem Bisherigenvon selbst versteht, dass der bekannte Tiefsinn Baa-ders bereits in seinen Tagebüchern sich überall of-fenbart, so muss dasselbe auch von seinem reichen,von edler Phantasie überquellenden Witz gesagt wer-den, der sich nicht selten bis zur Feinheit des an-muthigsten Humors steigert. So z. B. da, wo er vonder Analogie der Ideengeburt mit der leiblichen oderohne Verachtung und Ueberhebung von der Selbst-herrlichkeit eines nur sich allein hörenden Professorsspricht. Am Ueberraschendsten wird diese mächtigeAder des Witzes da, wo sie sich in der eigenthüm-lichsten Weise mit dem erhabene Perspective eröff-nenden Tiefsinn fast unmittelbar berührt und dadurch,schon in den Tagebüchern, die individuellste Fär-bung der Gedanken wie des Ausdrucks "erzeugt.Weiter findet sich gleichfalls in den Tagebüchernschon jener Baaderische Styl indicirt, der nach sei-nen charakteristischen Merkmalen bereits oben be-schrieben wurde. Es ist da dasselbe Feuer, dieselbeKörnigkeit, derselbe begeisterungsvolle Schwung, aberauch die gleiche Schwere, eine ähnliche strenge Härte,dieselbe Tendenz nach provincieller oder individuellerAbsonderlichkeit vorhanden, wie sich das Alles auchin den späteren Schriften des Meisters bis zu seinemTode nachweisen lässt. Endlich entdeckt man auchschon in den Tagebüchern trotz einer angenehmenund gefälligen Beredtheit, ja selbst Redseligkeit, die