Frühlingsfeier, die hellflamraende, allbelebende, allaufregende Sonnea.m Firmament weckte sie. Bei trübem, stürmischem Wetter hätteich sie sicherlich nicht überkommen. So sehr hängt auch Allesin uns von Aussen ab oder vielmehr alles Aeussere und Innerehängt innig zusammen, ist nur Eins. Der bald den tobendenSturm sendet, bald laue, fächelnde Zephyre, Der nun mit trübenWolken den Himmel umzieht und nun mit Licht und Glanz alleWesen umkleidet als mit einem Prachtgewande, Der sendet auchLicht in meine Seele. Dann flammt es in ihr, grosse Gedanken,Entwürfe, Plane &c. brausen wie ein Strom von den heiligenGipfeln durch sie hin! — Glücklich wenn der Strom hie und daangehäuften Schlamm von Eitelkeit, Thorheit, Sünde &c. mitge-nommen, hier Wehren des Fleisches niedergerissen &c. Diese Wir-kung bleibt dann wenigstens in mir , und wenn ich tagüber michmit dem Lebenfristen &c., zerre und plage, so jauchze und froh-locke ich doch insgeheim über das Erworbne! Ein grosser, be-lebender Gedanke, eine aufhellende Aussicht, eine glückliche,frohe Gedankenentbindung kann mich den ganzen Tag über heiterund froh erhalten! Aber schreckliche Wüstheit und Ohnmachtund Laune und Verbannung fühlt mein Geist, wenn ich durchSinnlichkeit, Zerstreuung dies Bewusstsein eines Bessern in mirgeschwächt, gelähmt, — oder wohl gar verloren habe*)!
Ein himmlisches Leben wäre das, wo ich nimmer aus diesemEaradies verstört oder verscheucht würde!
Mit der Uebung meiner Selbstbeachtung wächst mein Ge-wissen sehr. Bei jedem Gedanken, bei jedem leise aufwachenden,nur etwas verdächtigen Triebe höre ich nun sehr deutlich dieStimme des unbestechbaren Richters in mir. Leise flüstert mir
*) Jede geistig-tiefe und relativ moralisch-reine Natur wird — gleich®aader — den unwidersprechlichen Parallelismus zwischen unserer innerennnd äusserlichen Natur anerkennen, und demnach auch in dieser Thatsache®'nen sehr entschiedenen Beweis gegen jede absolute Dichotomie desDenkens und des Seins finden. Aber sie wird auch mit Baader zuge-ste hen, dass die Natur und ihre Betrachtung auf unsere moralische Güteei nen eben so stärkenden und erhebenden Eindruck, wie einen nieder-'h'öckenden und demnach strafenden und richtenden auf unsere sittlichee Pravation ausübt, D. H.