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Die Armee in der Bewegung : I. Innere Anordnungen, [II. Hindernisse der Bewegung] : mit 8 Tafeln und Plänen / [Josef Gallina]
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Die Armee in der Bewegung.

Lägen die dominirenden Höben wie nach Profil 5 auf beidenUfern ausserhalb des Geschützertrages vom Flusse, so kann von selbenaus zwar nicht der Brückenschlag, wohl aber das Debouchiren und dieEntwicklung der Truppen auf dem jenseitigen Ufer verhindert werden.

Bei Flüssen, die sich wie nach Profil 6 in mehrere Arme ( A, B,C) spalten, entsteht oft eine so ansehnliche Breite des Strombettes,dass nur ein Theil desselben sich von dem einen und dem anderen Uferaus beherrschen lässt.

Nach diesem Profile könnte z. B. vom linken Ufer aus nur dieUeberbrückung der Arme C und B gedeckt werden. Der Arm A lägeaber nicht mehr unter dem Feuer und der am rechten Ufer stehendeGegner würde sowohl den Brückenschlag über den Arm A als auch dasDebouchiren am rechten Ufer hindern.

In der Regel sind daher jene Stellen, wo in der Richtung desUeberganges mehre Inseln Vorkommen, für Uebergänge, die im Ange-sichte des Feindes stattfinden müssen, zu vermeiden. Wohl tritt eineAusnahme ein,, wenn hiedurch der Hauptarm leichter als an einer an-deren Stelle überbrückt werden kann, wie z. B. in Fig. 19 bei der Ab-sicht vom linken auf das rechte Ufer überzugehen, anstatt beii? bei A,weil der Hauptarm d. i. das breite und tiefe Wasser nicht dem feind-lichen Ufer zunächst liegt. Auch bieten Inseln, die jenseits des Haupt-armes liegen, den Ueberschwemmungen nicht ausgesetzt und von ent-sprechender Ausdehnung sind, als Sammelplätze zur Vorbereitung einesMassenüberganges grosse Vortheile dar.

Bei allen Flussübergängen, die man an Stellen vornehmen will,wo in Folge der Bodenbedeckungen das jenseitige Ufer sich nicht über-sehen und durch Geschützfeuer beherrschen lässt, muss unbedingt vor-erst am jenseitigen Ufer durch zu überschiffende Truppen ein ent-sprechend grosser Abschnitt besetzt werden, weil sonst die Möglichkeitdes Ueberganges immer in Frage gestellt sein kann.

Dominirt das jenseitige Ufer wie z. B. in Fig. 3 u. 18 das linke, so dartder Uebergang, selbst wenn der Gegner so weit davon entfernt stünde,dass er die Entwicklung jenseits nicht zu hindern vermöchte, nur dannstattfinden, wenn das jenseitige Ufer sich gegen die feindliche Seite hinleicht vertheidigen lässt, d. h. einen starken natürlichen Brückenkopfbildet. Ausserdem muss man sicher sein, noch vor Ankunft des Fein-des eine hinreichend starke Besetzung vornehmen zu können. Denn beieinem später nothwendigen Rückzuge würde das dominirende Ufersehr gefährlich, weil, falls der Feind dasselbe frühzeitig gewinnt, durchvorzeitige Zerstörung der Brücken der Rückzug eines grossen Theiles