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Professor G. Droysens allgemeiner historischer Handatlas : in sechsundneunzig Karten mit erläuterndem Text / ausgeführt von der Geographischen Anstalt von Velhagen & Klasing in Leipzig unter der Leitung von Dr. Richard Andree
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armenien, und grofse Teile von Medien hinzu; Babylonien, die phönikischenStädte, das Königreich Israel (unter Jeliu) wurden zur Tributleistung ge-zwungen. Dieses ansehnliche Reich ward von Salmanassars ersten Nach-folgern, wenn sie auch Armenien aufgaben, nach Osten wie nach Westenaufrecht erhalten und vermehrt; dann trat eine kurze Erschlaffung ein, ver-schiedene Aufstände brachen im Innern aus, bis um 745 ein UsurpatorNamens P h u 1 die Dynastie, nachdem sie ziemlich ein Jahrtausend bestandenhatte, stürzte und unter dem Namen Tiglatpileser II. selber den Thronbestieg. Phul war es, der in 18jähriger Regierung (745727) Assyrienauf den Höhepunkt seiner Macht brachte, der die wankende Herrschaft überMedien wiederherstellte, den Süden Armeniens und Melitene wiedergewann;die früher zinspflichtigen Reiche der Syrer, der nördlichen Phöniker undBabylonier wurden jetzt unterthan; das Königreich Israel mufste ansehnlicheLandesteile im Norden und Osten abtreten, Juda und die Südphönikerzahlten Tribut; selbst die nördlichen Araber der Wüste erkannten die assy-rische Oberhoheit an. Dieses gewaltige Reich vermochten die folgendenKönige auf seiner vollen Höhe zu erhalten; alle Aufstandsversuche wurdensiegreich niedergeschlagen. Sargonl. (722705) erstürmte die Hauptstadtdes aufrührerischen Israel, Samaria, und machte demselben auf immer einEnde; Syrien, Medien und Armenien behauptete er mit starker Hand; inOst und West kräftigte er das Reich. Assarhaddon (681 668) fügteÄgypten hinzu, das er, bis Theben vordringend, den Äthiopen entrifs. Ob- Igleich Assarhaddons Nachfolger Assurbanipal (668626) die Energie 1seiner Vorfahren nicht besafs, und während seine Generale im Felde standen,es meist vorzog, zuhause gelehrte Bücher zu schreiben, Bauten aufzuführenund im Harem zu schwelgen, auch nach wenigen Jahren Ägypten wieder ver-lor, so war doch die assyrische Weltherrschaft durch ihre Dauer und dieSchwäche der unmittelbar umliegenden Völker zu gut begründet, als dafs ihrvon diesen in absehbarer Zeit hätte Gefahr drohen können. Unerwartetkam jedoch ein Feind, der das durch Gewalt zusammengehaltene Staats-gebäude in seinen Grundfesten erschütterte: grofse Scharen nordischerStämme, Skythen, überschwemmten die assyrischen Provinzen, ohne dafs dieHeere ihnen Widerstand zu leisten vermochten; die Barbaren plünderten dasLand aus, töteten die männliche Bevölkerung; überall entstand Anarchie, dieeinzelnen Distrikte wehrten sich auf eigne Faust, so gut sie konnten, aber dieassyrische Oberhoheit ging dadurch zu Grunde oder sank wenigstens zumSchatten herab.- Gegen das geschwächte Reich erhoben sich jetzt (608 v. Chr.)die östlichen und südlichen Provinzen der Babylonier und Meder. Der Aufstandhatte raschen, fast über Erwarten grofsen Erfolg. Nicht nur dafs die beidenLänder sich befreiten; es gelang ihnen, Assyrien selbst einzunehmen; KönigSarakos, in seiner Hauptstadt belagert, verbrannte verzweifelnd sich selbstmit allen Weibern und Schätzen in seinem Palaste. Die erbitterten Siegerzerstörten hierauf alle gröfseren Städte der früheren Herren, die Bewohnerrotteten sie so unbarmherzig aus, dafs seit diesem Jahre (606) eine assyrischeNation nicht mehr vorhanden ist. Niemals ist ein Volk in kürzerer Zeit vonsolchem Glanze zu solcher Vernichtung geführt worden.

Die Erbschaft der Assyrer, die östlich vom Tigris die Meder antraten,suchten westlich von demselben die Babylonier unter König Nabopolassarund seinem Sohne Nebukadnezar II. (605561) sich zu retten. Währendder Wirren der Befreiungskriege hatten die Ägypter, die günstige Gelegen-heit benützend, Syrien an sich genommen; Nebukadnezar entrifs es ihnen, so-bald er die Hände frei hatte, sofort wieder. Juda, das den Tribut verweigerte,ward unterworfen, und als es noch einmal sich empörte, ward die Hauptstadtzerstört, das Land Babylonien einverleibt, beide Male ein grofser Teil derBevölkerung weggeführt. Auch Tyrus, das sich erhob, ward nach 13jährigerBelagerung bezwungen. Zugleich bemühte sich der König, die Wunden, dieder langjährige Kriegszustand dem Reiche geschlagen, durch friedlicheThätigkeit zu heilen. Verfallene Kanäle wurden hergestellt, zerstörte Städtewurden aufgerichtet, der Handel neu belebt, Festungen gebaut, um das Landvor fremden Angriffen zu schützen. So war die Aufrichtung einer neuenbabylonischen Grofsmacht wohl eingeleitet, und sie wäre zweifelsohne ge-glückt, wenn es Nebukadnezar vergönnt gewesen wäre, Nachfolger zu besitzen,die an Energie, an Klugheit und Mäfsigung ihm gleichkamen. Aber Nebu-kadnezars Sohn ward schon nach zweijähriger Regierung wegen seiner Un-fähigkeit vom eignen Schwager ermordet (560); ebenso verlor der ,bösartige 1Labasimarduk durch eine Palastrevolution das Leben (556). Der friedliche,aber schwache Nabonedus, der, obgleich mit dem Königshause nicht ver-wandt, von den Höflingen nunmehr auf den Thron gehoben wurde, ein Mann,der Bauunternehmungen und Antiquitäten mehr Interesse zuwandte, als derStaatsverwaltung, ward 539 vom Perserkönig Cyrus angegriffen. Eineeinzige verlorene Schlacht genügte, um den König zur Flucht zu veranlassenund die wohlbefestigte Hauptstadt und nach ihr das ganze Land den Feindenwiderstandslos zu überliefern; ebenso ergaben sich die babylonischen Pro-vinzen fast ohne Schwertstreich. Nebukadnezars Reich fand nach kaum22jährigem Bestand ein klägliches Ende; der letzte König, Nabonedus, warzufrieden, ein Jahrgehalt, den ihm der grofsmütige Cyrus anwies, in Kar-manien zu verzehren.

In späterer Zeit machten die Babylonier mehrere erfolglose Empörungen,die gröfste unter König Darius I. (521519), in der sie einen Heldenmut ent-wickelten, der die frühere Schmach vergessen liefs. 330 wurde das Landvon Alexander dem Grofsen den Persern abgenommen, der Babylon zurHauptstadt seines kurz dauernden Weltreiches erhob. Nach Alexanders Todeward Babylonien Seleucus zugeteilt, der es aber Antigonus und seinem SohneDemetrius 312 erst abringen mufste. 133 v. Chr. ward es den Seleucidendurch die Parther entrissen, bei denen es mit kurzen Unterbrechungen durchdie römischen Kaiser Trajan (114116 n. Chr.) und Septimius Severus(197 199) bis zur Eroberung durch die Sassaniden (226) blieb. 641n. Chr. fiel Babylonien infolge der Schlacht bei Nehavend in die Hände Omarsund der Araber.

Zu Seite 5:

REISEN DES APOSTELS PAULUS.

Als Paulus auf Barnabas Veranlassung von seiner Heimat Tarsus, woer mehrere Jahre (3842 n. Chr.) mit Vorbereitung auf seinen künftigenMissionsberuf zugebracht hatte, nach Antiochien in Syrien gegangen war,um dort, wo eine zahlreiche, auch aus nichtjüdischen Elementen bestehendeGemeinde sich gebildet hatte, zu wirken, da reifte in ihm allmählich derEntschluis, den er seit seiner Bekehrung mit sich herumgetragen, auch denHeiden das neue Evangelium zu predigen, und die Provinzen des römischen

Reiches zu diesem Zwecke zu bereisen. Etwa 47 oder 48 n. Chr. machte ersich mit Barnabas zum ersten Male auf, schiffte von Seleucia Pieria, derHafenstadt Antiochiens nach Salamis auf Cypern, und durchzog predigenddie Insel bis Paplios, ohne aber eine Gemeinde gründen zu können. Vonhier reiste er über Perge in Pamphylien nach dem phrygischen Antiochienund Ikonium, der Hauptstadt von Lykaonien, wo Judengemeinden bestanden;an beiden Orten erzielte er unter den Heiden Erfolg, aus beiden wurde eraber von den Juden vertrieben, ebenso auch aus Lystra. Nur in Derbe blieber unbehelligt. Hier zog er es vor, für jetzt nicht weiter zu gehen, sonderndie eben bekehrten Christen abermals aufzusuchen, ehe sie durch fremdeEinflüsse wieder abtrünnig würden; dies konnte auch mit gutem Erfolgegeschehen. Die Rückreise vom Pamphylien nach Syrien machte er vonAttalia aus, ohne Cypern zu berühren.

Ums Jahr 50 begann Paulus seine zweite Reise, bei der ihn Silas,später auch Timotheus begleitete. Zuerst besuchte er die neugegründetenGemeinden im südöstlichen Kleinasien noch einmal, dann zog er durch Ga-latien, wo er viel Volk taufen konnte, und Mysien nach Troas. Hier fafsteer den folgenreichen Entschlufs, nach Europa zu gehen, um zunächst inGriechenland, dem Hochsitz der damaligen Kultur, das Evangelium zu ver-kündigen. Zuerst fuhr er über Samothrake und Neapolis nach der Haupt-stadt des römischen Makedoniens, Philippi, wo er guten Boden für seineLehre fand, dennoch aber infolge von Mifshelligkeiten bald wieder abreisenmufste. Ähnlich ging es in Thessalonike und Beröa. ln Athen, wohin ersich jetzt wandte, wo die Epikuräer und Stoiker die öffentliche Meinungbeherrschten, hatte Paulus nur mäfsigen Erfolg; um somehr aber in Korinth,wo er lVa Jahre blieb. Hier gelang es ihm trotz des Widerstandes derJuden, die sich ihm an allen Orten gegenüberstellten, eine gröfsere Gemeindezu gründen, die später zur bedeutendsten Griechenlands heranwuchs. An diejunge Gemeinde der Thessaloniker schrieb er, um seine Abwesenheit währenddieses Aufenthaltes einigermafsen zu ersetzen, von hier die zwei Briefe,die wir noch besitzen. Nachdem er auch Illyrien von Korinth aus kurz be-sucht, kehrte Paulus im Sommer 53 nach kurzem Verweilen in Ephesus undJerusalem nach Antiochien zurück.

In Antiochien war Paulus kaum ein halbes Jahr verweilt, so begann erseine dritte Reise. Rastlos durchzog er Galatien und Phrygien, um diedortigen Gemeinden zu stärken, dann wanderte er nach Ephesus, wo er mitAusnahme eines kürzeren Besuchs in Korinth und Kreta, dessen genaue Zeitwir nicht bestimmen können, auf mehrere (2Vr) Jahre fest sich niederliefs.In diesem Aufenthalt erreichte seine Missionsthätigkeit ihren Höhepunkt.Schon ward von zahlreichen Jüngern, die er herangebildet, das Evangeliuman den verschiedensten Orten Kleinasiens gepredigt, da hielt er es für ange-zeigt, nunmehr weiter gegen Westen vorzudringen; Italien, Rom, ja selbstSpanien wollte er besuchen.

Es war seine vierte Reise, die er im Sommer 57 antrat; er ahnteselbst, dafs es seine letzte sein sollte.

Ehe er die Richtung nach Italien einschlug, wollte er die wichtigstenOrte, in denen Christengemeinden errichtet waren, noch einmal aufsuchen,dann auch Jerusalem sehen, um dort den Zusammenhang der von ihm be-kehrten Heiden mit den Judenchristen herzustellen, und eine Kollekte per-sönlich zu übergeben. So durchwanderte er denn zum letztenmal die Ge-meinden Makedoniens und Griechenlands, kehrte dann nach Philippi zurück,fuhr nach Troas, und über Assus, Mytilene, Chios, Samos, Tragyllium nachMilet. In Milet nahm er von den Gemeindeältesten von Ephesus, die herüber-gekommen waren, rührenden Abschied, dann steuerte er geraden Wegs überKos, Rliodus, Patara, Tyrus, Ptolemais nach Cäsarea, von wo eine bequemeStrafse nach Jerusalem führte. In Jerusalem gelang es ihm zwar, eine Ver-ständigung mit den Aposteln über das Verhältnis der Heidenchristen zummosaischen Gesetz herbeizuführen, aber infolge eines Tumults, den dieJuden gegen ihn erregten, ward er vom römischen Kommandanten verhaftetund vor den Prokurator nach Cäsarea gebracht. Dieser liefs ihn trotz seinerUnschuld 2 Jahre lang in Untersuchungshaft behalten. Sein Nachfolgerwollte ihn den jüdischen Gerichten zur Aburteilung ausliefern; da aber pro-testierte Paulus, und appellierte kraft seines römischen Bürgerrechts an denKaiser. Demgemäfs wurde er von Cäsarea nach Rom geschafft, und fuhr überSidon, Cypern, Myra (in Lycien), Cnidus und Lasäa auf Kreta. Im JonischenMeere erhob sich ein Sturm, der das Schiff in der Nähe von Malta zumScheitern brachte und die Insassen zwang, auf dieser Insel zu überwintern.Erst nach drei Monaten kamen sie weiter; auf einem alexandrinischenSchiffe fuhr Paulus nach Syrakus, von da über Rhegium und Puteoli nachRom. Hier ward Paulus, indem man ihm einen römischen Soldaten ankettete,2 Jahre lang staatlich beaufsichtigt, doch durfte er im eigenen Hause wohnen,auch ungehindert predigen. Seine späteren Schicksale sind bei dem Schwei-gen der Apostelgeschichte unbekannt; dafs er bei der neronischen Christen-verfolgung des Jahres 64 den Tod durchs Schwert gefunden habe, ist einealte Überlieferung.

Zu Seite 5 bis 8:

BÖOTIEN UND ATTIKA, GRIECHENLAND, HELLASBEIM BEGINN DES PELOPONNESISCHEN KRIEGESUND KARTEN ZUR GRIECHISCHEN GESCHICHTE.

Das alte Griechenland (gr. Hellas; lat. Graecia) bestand aus dem süd-lichen Teil der Balkanhalbinsel von der makedonischen und illyrischen Grenzean, wo die Halbinsel, sich plötzlich wesentlich zusammenziehend, ihren bis-herigen kontinentalen Charakter aufgibt, und je weiter nach Süden destomehr in so zahlreiche Ausbuchtungen sich gliedert, dafs sie alle übrigenTeile Europas an Küstenbildung weit übertrifft.

Griechenland ist mit Ausnahme der thessalischen Ebene durchweg ge-birgig; das Klima ist in den Bergen rauh, in den niedergelegenen Thälernmilde; überall aber (mit Ausnahme vereinzelter Distrikte, in denen Sümpfedie Luft verschlechtern) gesund. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist freilichnur mäfsig, doch genügend, um bei einigem Fleifse der Bebauer eine nichtunbedeutende Bevölkerung zu ernähren.

Das Land zerfällt in vier natürliche Hauptteile, Nordgriechenland,Mittelgriechenland, den Peloponnes und die Inseln. Von diesen wird Nord-griechenland durch das Pindusgebirge in die Landschaften Thessalienund Epirus getrennt, von denen das erstere wiederum in fünf kleinere Di-

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