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radiner. Die Babenberger Macht wurde begründet durch den Grafen Hein-rich (t 886 vor Paris gegen die Normannen), der seinen Söhnen Adalbert,Heinrich und Adalhart reiche Güter und grofse Besitzungen am obern Mainbinterliefs. Gemeinschaftlich verwalteten sie verschiedene Grafschaften inGauen, die diesem Flusse benachbart waren (z. B. im Gozfelt); aufserdemhatte Adalbert die Markgrafschaft gegen Böhmen. Ihr Oheim Poppo kämpfteals Markgraf in Thüringen gegen die Sorben. Ihnen traten, vom Kaiser Ar-nulf (887—899) unterstützt, die ihm verwandten Konradiner entgegen.Diesem Hause entstammten die vier Brüder: Konrad, Graf im Hessengau, imOberlahngau (Logenahe superior) und im Engersgau (Engerisgowe), Geb-hard, Graf in der Wetterau (Wetereiba) und im obern Rheingau (Rinah-gowe), Eberhard, Graf im Niederlahngau (Logenahe inferior) und Obermain-gau (Moinahgowe); der jüngste Bruder Rudolf wurde dem geistlichen Standebestimmt. Als 892 Arnulf Poppo entsetzte, gab er Thüringen an Konrad,der es jedoch bald Burkhard (f 908, s. oben) abtrat; Rudolf erhielt dasdurch den Tod des Bischofs Arnd von Würzburg (Wirziburg) (f 892 gegendie Slawen) erledigte Bistum Würzburg. Bald erstreckten sich die Beziehun-gen der Konradiner bis nach Lothringen. Unter Ludwig dem Kinde (899— 911) brach (902) der Kampf zwischen ihnen und den Babenbergern aus,aus welchem erstere als Sieger hervorgingen. Adalbert, der Überlebende derBrüder, wurde vor seiner Burg Theres unweit Schweinfurt (Swinfurt) 906enthauptet; damit war das babenbergische Geschlecht vernichtet; nur einunmündiges Kind, Adalbert II, ward zum Sachsenherzoge Otto gerettet.Wenig später vereinten Konrads Söhne, Konrad und Eberhard, alle Machtim fränkischen Hessen und in den Landstrichen am Rhein und Main; undwenn sie sich unter Ludwig dem Kinde auch nur Grafen nannten, so übtensie doch faktisch herzogliche Rechte aus. Auch als König behielt Konrad Idie Würde eines Herzogs von Franken, in der ihm sein Bruder Eberhard(918) folgte; nach dessen Tode (939) fiel das Herzogtum fort. Eine Neben-linie, deren Haupt Lothringen verwaltete, behielt den herzoglichen Titel bei,der sich dann an Worms, einen Hauptsitz der Familie, anknüpfte.
Franken umfafste das Land am linken Rheinufer, nördlich von derNahe bis südlich an die Lauter und diesseits des Stromes die Gebiete umNeckar, Main, Lahn und Eder. Der nördliche, von der alten Völkerschaftder Hessen bewohnte Teil (Hessorum) erscheint meist als besonderer Gau.Franken zerfiel in Westfranken (Fr. occidentalis), auch wohl Rheinfrankengenannt, und Ostfranken (Fr. orientalis). Das Ganze hiefs auch Altfrankenund Franconien. Der Spessart schied Ost- und Westfranken.
Die Nordgrenze lief zunächst etwa von dem Mittelläufe der Sieg biszum Zusammenflüsse von Fulda und Werra; dann bildete der Thüringer Wald(in späterer Zeit der sog. Rennsteig auf der Höhe des Gebirges) die Scheidegegen Thüringen. Ungefähr die Werra trennte Thüringen und Hessen. DieGrenze gegen Alamannien war bei Heimsheim (zwischen Stuttgart undPforzheim), dann auf der Berghöhe zwischen dem Murr- und Leinthal, weiteröstlich eine Quelle bei Wassertrüdingen.
Lothringen (Lotharingia) verlieh Kaiser Arnulf seinem unehelichenSohne Zwentibold, der Reginar I (f 915), dessen Geschlecht im Hennegauund in den Gegenden an der Maas angesiedelt war, zu seinem vertrautestenRatgeber und Statthalter ernannte. Nach kurzer Zeit fiel dieser in Ungnadeund ward entsetzt. Er verband sich mit einheimischen Grofsen und be-hauptete sich gegen Zwentibold. Nachdem letzterer im Kampfe gegen dieGrafen zu Metz (Metis) Gerhard und Matfred gefallen war, unterwarfen sichdie Aufständischen Ludwig dem Kinde. Durch denselben wurden die Konra-diner auch in Lothringen mächtig; ihrem Einflüsse setzte Reginar ein Ziel.Er bekam das ganze Land in seine Gewalt und überlieferte es 911 an denWestfranken Karl den Einfältigen. Während seiner Regierung war ReginarsMachstellung die eines Herzogs; so ist er der erste eigentliche Herzog Loth-ringens. Unter Reginars Sohne Giselbert gewann König Heinrich I das Land925 an Deutschland zurück; Giselbert behielt die herzogliche Gewalt undvermählte sich (928) mit Heinrichs I Tochter Gerberga. Jetzt erhielten auchdie Konradiner ihre früheren lothringischen Besitzungen wieder; ihr Haupt,Herzog Eberhard, ward Pfalzgraf in Lothringen, eine Stelle, die das Landnoch aus den Tagen der Selbständigkeit bewahrt hatte. Nach GiselbertsTode (t 939) übertrug 940 Otto I das Herzogtum seinem Bruder Heinrich,und, da sich dieser hier nicht halten konnte, bekam noch in demselben Jahreder Graf Otto, Richwins Sohn, die Herzogswürde nebst der Vormundschaftüber Giselberts unmündigen Sohn Heinrich. 944 starb Otto und kurz daraufsein Mündel. Der König verlieh seinem Schwiegersöhne Konrad dem Rotenvon Franken (seit 947 mit seiner Tochter Liutgarde vermählt) das erledigteHerzogtum, dessen er 9 5 3 wegen Hochverrates verlustig erklärt wurde; er starbden Heldentod in der Schlacht auf dem Lechfelde (10. Aug. 955). KonradsNachfolger in Lothringen war Brun, Ottos I Bruder, der Erzbischof vonKöln (bis zu seinem Tode 965). Unter ihm erfolgte die Teilung in Ober-lothringen (L. superior), 959 an Herzog Friedrich I, und Niederlothringen(L. inferior und ducatus Ribuariorum), etwa um dieselbe Zeit an Gottfried.Nach Gottfrieds Hinscheiden (f 964) verblieb Niederlothringen bei derKrone, bis es 976 Karl (I), Bruder König Lothars von Frankreich, vonOtto II (973—983) bekam. Seitdem behielt Lothringen zwei Herzoge. Nurvorübergehend sind beide Herzogtümer in einer Hand vereint gewesen.Aachen ward 965 für die erste Hauptstadt des Reiches erklärt.
Der Name Lothringen ist im Laufe des zehnten Jahrhunderts aufge-kommen. In verschiedener Anwendung bezeichnet Ribuarien bald das ganzeLand, bald das nördliche Herzogtum, bald nur einen einzelnen Gau desselben.
Die nördliche Grenze des Landes gegen Friesland bildeten die Maas-und Rheinmündungen. Im losen Verbände standen die Gaue jenseits diesesStromes, soweit sie nicht friesisch waren, z. B. der altfränkische GauHamaland. Im Osten folgte die Grenze eine Strecke lang dem Rheine undging dann in einem grofsen Bogen um das Gebiet der Nahe herum an denWasgenwald, der gegen den Elsafs die Scheide war. Die Südgrenze lief vonden Quellen der Mosel zu denen der Maas, die Westgrenze dagegen teilsdirekt an, teils westlich von dem Oberlaufe der Maas und von der Schelde.
Der Elsafs (Alsatia), das Land zwischen Lauter, Wasgenwald undR hein, seit 911 von Lothringen getrennt, trat — der Charakter seiner Be-völkerung brachte es mit sich — in Verbindung mit Alamannien.
Alamanni en (Alamannia) hatte Jahrhunderte lang früher als Herzog-tum bestanden und war dann unmittelbar unter das Reich gekommen, dasseine Rechte durch Königsboten oder Pfalzgrafen wahrnahm. Solche Pfalz-grafen waren unter Ludwig dem Kinde die Brüder Erchanger und Bertliold;ein späterer Schriftsteller bezeichnet sie als Kammerboten; neben ihnen undnicht immer auf bestem Fufse stand Bischof Salomo von Konstanz (Con-
stantia). Trotz dieser Beamten und der häufigen Anwesenheit des Königs imLande, suchte Burkhard, aus dem Geschlechte der Grafen von Thurgau(Turgowe) und Curwalchen, sich die herzogliche Gewalt zu verschaffen. Aberer fand 911 ein gewaltsames Ende, und seine ganze Familie wurde mit dergröfsten Erbitterung verfolgt. Da kam es wenig später zwischen Salomo undErchanger und Bertliold zum Kampfe, während welchem sich Erchanger zumHerzog ausrufen liefs (915). Sein Herzogtum war von kurzer Dauer; erwurde gefangen genommen und auf Konrads I Geheifs samt seinem BruderBerthold 917 enthauptet. Das half wenig; denn noch in demselben Jahrelegte sich Burkhard, des 911 verstorbenen Burkhard Sohn, die Würde einesHerzogs von Alamannien bei und setzte sich in Besitz des gröfsten Teils derGüter der Hingerichteten. Heinrich I erkannte ihn 919 als Herzog an.Nach Burkhards Tode (f 926) erhielt der Konradiner Hermann durch seineVermählung mit der Witwe des Verstorbenen, Regilinde, das Herzogtum(926—948). Sein Nachfolger war Ottos des Grofsen Sohn Liudolf, der Ge-mahl seiner Tochter Ida. Dieser ward wegen Hochverrates, wahrscheinlich953, seines Amtes entsetzt. Das Herzogtum bekam darauf der mit des Kai-sers Nichte (Heinrichs des Zänkers Tochter) Hedwig verheiratete Burkhard II;nach dessen Ableben (973) Kaiser Otto II es seinem Neffen Otto (f 982),dem Sohne seines Stiefbruders Liudolf, gab, der bald nachher (976) auchnoch mit der herzoglichen Fahne von Baiern belehnt wurde. Bis zum Jahre1000 haben dann das alamannische Herzogtum verwaltet: Konrad, Vetter vonIda, der GemahlinLiudolfs, also OttoII verwandt (982—997), undllermannllKonrads Sohn oder Neffe, Gemahl von Gerberga, der Tochter König Kon-rads von Burgund (997—1003).
Vom 4.—13. Jahrhunderte wird neben Alamannien und mit jenemidentisch die Bezeichnung Schwaben (Suebia) gebraucht. Der Name Ala-mannen ist von den Nachbarvölkern in umfassender Bedeutung für dieDeutschen überhaupt verwendet worden; so von den Italienern, Burgundern,Franzosen, Spaniern, Engländern, Dänen und Polen. In einer gewissen Ab-sonderung von Schwaben, wenngleich meist als zu ihm gehörig angesehen,standen der Elsafs und Rätien (Retia), das romanische Gebiet im Südosten,das nach dem Hauptorte Cur deutsch auch Curwalchen genannt ward.
Über die alamannisch-fränkische Grenze s. oben. Südlich erstrecktesich das Land bis auf die Höhen der Alpen; westlich, den Elsafs einschliefs-lich, bis an den Wasgenwald; gegen Burgund schwankte die Grenze; imOsten trennte der Lech Schwaben von Baiern.
In Baiern (Bajovaria) wurde die herzogliche Gewalt früherer Zeiteneigentlich nur erneuert. Unter Arnulf und Ludwig dem Kinde hatte einLiutpolt die Grenzhut gegen die Böhmen, in Kärnten und dem benachbartenPannonien; da er auch im Besitze der Grafschaft im Donaugaue (Tuonah-gowe) an beiden Seiten des Stromes und nördlich desselben im Nordgaue(Nortgowe) war, führte er bereits den Namen eines Markherzogs. Bei seinemTode (f 907) trat sein Sohn Arnulf (— 937) ohne weiteres in seine Stellungein. Er nannte sich Herzog von Baiern, verteidigte sein Land mannhaftgegen die Ungarn und dehnte seine Herrschaft über das südliche Kärnten,den Nordgau und einen Teil von Ostfranken aus. Sein Sohn Eberhard, dersich weigerte, Ottos I Oberherrlichkeit anzuerkennen, ging seiner Würde(938) verlustig. Diese erhielt sein Oheim Berthold, der bisher unter demTitel eines Herzogs Kärnten verwaltet hatte; aber mit weit geringerer Macht-befugnis. Er mufste das Recht, die Bistümer des Landes zu besetzen, demKönige überlassen, und aufserdem ernannte derselbe Arnulfs zweiten SohnArnulf zum Pfalzgrafen in Baiern und übertrug ihm als solchen das könig-liche Gericht und die Aufsicht über die königlichen Güter, Lehen, Burgenund die Reichseinkünfte. Berthold bekam 939 (nach Eberhards von Frankenund Giselberts von Lothringen Tode) zu den Gebieten am Regen, der Naabund dem Böhmerwalde die Gaue bis zum Main und Spessart und heirateteGiselberts Tochter Willetrude, die Nichte Ottos I. Nach seinem Hinscheiden(945) verlieh der König das Herzogtum seinem Bruder Heinrich I, demZänker, der mit Jutta (Judit), der Tochter Herzog Arnulfs, vermählt war.Demselben ward überdies 952 das vom Reiche Berengars abgetrennte Friaul(Forum Julii) zu teil; Heinrich f 955. Ihm folgte, zunächst unter Vormund-schaft der Mutter Jutta, sein vierjähriger Sohn Heinrich II. Da sich diesergegen seinen Vetter Otto II empörte, wurde er 976 abgesetzt und sein Her-zogtum an Otto von Schwaben gegeben, der so zwei Herzogtümer in seinerHand vereinte. Damals wurden von Baiern die Marken Kärnten (Caran-tania) und Verona abgetrennt und Heinrich III, dem Jüngeren (Sohn Ber-tholds und Willetrudes), als ein neues Herzogtum Kärnten übertragen; ebensoward zwischen dem linken Donauufer und dem Böhmerwalde die Mark aufdem Nordgau errichtet und an den Babenberger Berthold übertragen. Aufser-dem erneuerte Otto II die Pfalzgrafenwürde und schwächte so die Machtdes Herzogtums. Als Heinrich der Jüngere vom Kaiser abfiel, wurden ihm978 Kärnten und Verona genommen und einem andern kaiserlichen NeffenOtto, Konrads des Roten (f 955) Sohn, gegeben. Wieder mit dem Kaiser-hause ausgesöhnt, erhielt Heinrich, der Jüngere, 983 nach Ottos Tode(f 982) das Herzogtum Baiern, das er 985 gegen Zusicherung des Fortbe-sitzes von Kärnten und Verona an den wieder zu Gnaden aufgenommenenHeinrich II abtrat; letzterer vereinigte noch einmal nach dem Ableben Hein-richs des Jüngeren (f 989) Kärnten und Verona mit Baiern. Sein SohnHeinrich, der spätere König Heinrich II, wurde nach des Vaters Tode (995)von den Baiern als Herzog gewählt und vom Könige belehnt, Kärnten undVerona jedoch aufs neue getrennt und 996 abermals dem fränkischen Otto,Konrads des Roten Sohn, verliehen. Nach seiner Wahl zum deutschen Kö-nige gab Heinrich II 1004 Baiern seinem Schwager Heinrich IV (demBruder seiner Gemahlin Kunigunde); 1009 entsetzte er ihn und verwaltetedas Land selbst bis 1017, in welchem Jahre er es dem Schwager zurückgab.
Der sog. Nordwald trennte Baiern und Böhmen. Die baierische Süd-grenze schwankte je nachdem Kärnten und Verona ein Teil des Herzogtumsoder ein besonderes Ganzes waren. Vom Lech im Westen bis an die Ennsim Osten erstreckte sich Baiern. Jenseits dieses Flusses, im Gebiete desalten Pannoniens, bestand schon in fränkischer Zeit eine Mark. Sie wurdespäter gegen die Ungarn neubegründet und empfing den Namen:
Österreich (Östarrichi) und dehnte sich auf beiden Donauufern nachund nach bis zur Leitha und March aus. Gegen Mähren bildete die Taya dieGrenze. Immer galt die Mark Österreich als Zubehör von Baiern.
Von der 996 erfolgten Verleihung Kärntens und der VeroneserMark als eines selbständigen Herzogtums an Otto (t 1004) (s. oben) kanneine neue Periode in der Entwickelung dieser Landschaften datiert werden;denn jetzt erst trat eine wirkliche und endgültige Trennung der beiden Her-zogtümer Baiern und Kärnten ein; nie wieder sind dieselben fernerhin dau-
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