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Fett.
Thieres wird bei dieser Operation möglichst gerade gestreckt und der Kopf des-selben recht hoch gehalten. Auch kann man sich bisweilen statt der Rutheeines Peilschenstocks bedienen.
Fett. Die verschiedenen Fettarten sind Bestandtheile theils thierischer,theils pflanzlicher Körper. Sie sind in gewöhnlicher Temperatur fest, vonmildem und fadem Geschmack, leichter als Wasser, bei nicht sehr hohemWärmegrade schmelzbar, nur durch Zersetzung flüchtig, in Wasser unauflös-lich, in Alkohol mindestens theilweise auflöslich. Jedes Fett ist eigentlich ,ein Gemeng aus 2 Bestandtheilen, nehmlich einem festen (Stearin,Talgstoff) und einem flüssigen (Elain, Olein, Oelstoff), die sichdurch chemische Processe trennen lassen und in verschiedenen Fettarten inabweichendem Verhältnisse enthalten sind, so daß die Fettarten inWeiche, Schmelzgrad, Löslichkeitsverhältnissen u. s. w. sich unterscheiden,indem die weichsten und leichtflüssigsten verhältnißmäßig reicher an Oelstoff,die härtesten und schwerflüssigsten reicher an Talgstoff sind, als die andern.Meist enthalten auch die Fettarten außer Talg - und Oelstoff noch kleineBeimischungen von riechenden oder färbenden Bestandtheilen, welche zu ihrerVerschiedenheit beitragen. Da das Fett an und für sich wenig zur Zersetz-ung geneigt ist, so erscheint es haltbar, so wie es auch wegen seinem großenGehalt an Kohlenstoff und Wasserstoff zugleich überaus nahrhaft ist. DasFett wird bei reichlicher Nahrung von dem Blute ausgesondert und an allen hier-zu geeigneten Theilen des Körpers abgesondert. Es wird daher nur bei Ucbcr-fluß von Nahrung und großer Thätigkeit der erzeugenden Organe abgelagert,bei Mangel und Schwache derselben aber wieder eingezogen und in Blut undSäfte umgewandelt. Auf diese Art können Thiere von einer fruchtbaren Ge- sgend, von überflüssiger Nahrung den besten Nutzen ziehen, und dann bei !Mangel von ihrem Verrath zehren. Auf diesem Grunde beruht auch die Er-scheinung, daß fette Thiere länger hungern können, aber dabei mager wer-den. Das Fett hat ferner den Nutzen, den Körper geschmeidig zn erhalten,und da es ein schlechter Wärmeleiter ist, die Einwirkung der Kälte auf dieinnern Theile des Körpers zu mäßigen. Es wird, sowie auch die gallert-artigen schleimigen Theile, welche es zuweilen ersetzen, in eigenen Räumen .(Zellen) abgesetzt, welche die festen Theile des Körpers zwischen sich lassen.
Je mehr solche Räume der Körper hat, um so leichter und um so mehr Fett "
kann sich in ihnen absetzen. Je weniger straff die festen Theile sind, je we-
niger sie durch körperliche Bewegung in Reibung und Erschütterung gerathen,desto leichter kann sich das Fett in den Räumen absehen, und desto weni-ger ist es in Gefahr, durch die bei der Reibung und Erschütterung statt-findende Erhitzung ausgetrieben und durch Verdünstung und Absonderungdurch die Lunge, durch die Harnwerkzeuge und Gedärme wieder entfernt zuwerden. Je langsamer der Vlutumlauf ist, um desto geringer ist die Rei-bung der Gefäße und die Thätigkeit des Körpers, und desto eher können sich ^
daher die Nahrungstheile in den Zellen absetzen. Daher erfolgt diese Ab- ^
sitzung während des Schlafens mehr, als beim Wachen, weil dann der Blut-umlauf langsamer ist. Je mehr Gemüths - oder Geisteserregungen stattfin-den , desto stärker ist der Blutumlauf, desto heftiger die Reibung der Ge-fäße, desto mehr Säfte werden daher auch verbraucht, und desto wenigerhaben sie Zeit, sich abzusetzen. Eine weiche, geschmeidige Körperconstitutionist daher der Ansammlung des Fettes günstig, während straffe Fasern, Druckdurch hartes Lager oder enge Kleidung, körperliche und geistige Thätigkeit