522
Flachs.
und den sogenannten Tonnen lein. Der letztere wird aus einem nördli-chern Klima in Tonnen zu uns gebracht, woher sein Name kommt. Ergiebt in der Regel, so lange er nicht durch eine fehlerhafte Behandlung aus-geartet ist, einen höhern Ertrag an besserem Flachse. Der meiste kommtaus den russischen Ostseeprovinzen, und nach den verschiedenen Orten, woer versendet wird, heißt er Rigaer, Lindauer, Windauer, auch Seeländischeru. s w. Der Flachs gewahrt eine ansehnliche Einnahme, und das Spin-nen giebt den im Winter am wenigsten beschäftigten Personen Arbeit undverschafft auch Vielen, welche zu andern Arbeiten fast untauglich sind, Un-terhalt. Nicht minder beschäftigt die Linnenfabrication viele Menschen. DieWvhlfeilheit der baumwollenen Zeuge, die frühern ansehnlichen Getreidexrciseund die in früheren Zeiten verunglückten Versuche, Flachsspiunmaschineneinzuführen (was aber auch jetzt gelungen-ist), hatten zwar den Anbau desFlachses beeinträchtigt, jetzt aber sucht man den Flachsbau allgemein wiedereinzuführen. Wenn auch der Flachs die frühern Durchschnittspreise nichtwieder erreichen dürfte, so wird dies mit dem Getreide ebenso wenig ge-schehen. Auch ist bei den Fortschritten, welche die Landwirthschaft gemachthat, und vornehmlich bei der so ansehnlichen Vermehrung der Bodenkmsldurch eine höhere Düngererzeugung, der Bau des Flachses weniger kostipie-lig, als in frühern Zeiten bei dem stattgefundenen Dreifeldersystem, wo erin den meisten Fallen nur auf Unkosten des Ertrages der andern Feldge-wächse erzeugt wurde, und viele Wirthschaften bei einem übertriebenen Flachs-bau auffallend zurückkamen. Die allgemeine Klage der Linnenfabricanken,daß jetzt nur wenig guter Flachs erzeugt werde, hat ihren Grund theils inder Unkenntniß des Flachsbaues, theils darin, daß man die mit der Erzie-lung des bessetn Flachses verbundenen Unkosten scheut. — Blühender Flachssoll dem Vieh ein schädliches Futter sein. Wenn Kühe ein Weniges davonfressen, so ballt sich das Genossene in der dritten Abtheilung ihres Magens,im Psalter, in eine feste Masse, und sie sterben sehr schnell, wenn sie nichtdurch Einguß von Essig und Leinsamen und durch wiederholte Klystiere ge-rettet werden. — Die Erzeugung des Flachses als Spinnmaterial zerfälltin 2 Theile, in den Flachsbau und in die Flachsbereitung. Inmehreren Ländern und namentlich in den Niederlanden, wo ganz vorzügli-cher Flachs erzeugt wird, beschäftigt sich der Landwirth nur mit dem Flachs-bau und verkauft den Flachs vorn Felde weg, während besondere Unterneh-mer sich mit der Zubereitung desselben befassen. Da aber dieses Verfahrenbei uns noch nicht eingeführt ist, so muß sich der Landwirth auch mit derZurichtung des Flachses befassen, und wo die Verhältnisse günstig sind, er-langt er auch bei einem richtigen Verfahren einen um so größeren Gewinn. —Flachsbau. Klima und Boden. Beim Flachsbau ist das Klimafast noch wichtiger, als der Boden, weil der Flachs ein mehr feuchtes Klimaund einen ungehinderten Luftzug verlangt. Daher findet man auch in dennördlichen Küstengegenden Deutschlands, und in den an hohe Gebirge an-stoßenden Mittelgebirgen, so wie in den mit vielen Flüssen, Seen und Tei-chen durchschnittenen Ebenen, wo das Klima mehr feurht ist, und die zustarke Einwirkung der Sonnenhitze durch stete Wolkenzüge gemildert wird,und wo auch immer der erforderliche Luftzug stattfindet, den besten undeinträglichsten Leinbau. Im höhern Gebirge verursacht der oft zu plötzlicheWechsel der Temperatur mancherlei Nachtheile, und die sehr eingeschlossenenThäler, wo der Luftzug gehindert wird, sind zum Anbau des Flachses eben-