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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Flachs.

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den, wiederhole und so lange darunter hindurch, bis das Holzige, Rinden-arlige vom Baste entfernt ist. Anstatt mit dem Ribbeneisen reinigt manden Flachs auch wohl mit einer nicht zu scharfen Bürste, wobei jedoch dasgewonnene Werg an Güte verlieren soll. Feinen Flachs gewinnt man, wennderselbe auf der gewöhnlichen Breche gut von den Annen gereinigt und die-ses Brechen auf einer eisernen Breche sehr sorgfältig und so lange fortgesetztwird, bis die Annen gänzlich entfernt sind. Der gebrechte Flachs wirddurch eine grobe Hechel gezogen, dann in kleine Gebündchen fest zusammen-gedreht und diese geklopft, bis der Flachs warm ist und schwitzt; nachdemer wieder kalt geworden, wird er geribbt und gehechelt. Verlangt man sehrfeinen Flachs, so ist es nöthig, ihn zu klopfen, und das Nibben und Hechelnzu wiederholen. Da der Flachs nach dem Rösten immer mehr oder wenigerfarbige Theile enthalt, wodurch das nachherige Bleichen erschwert wird, soempfiehlt man, um diese zu entfernen, und zugleich dem Flachse eine größereWeichheit und Geschmeidigkeit zu geben, das sogenannte Brühen desselben.Man schichtet nehmlich in einem hohen Bottiche den Flachs so ein, daß ersich nicht verwirren kann, und überschüttet denselben mit fast kochendemWasser (70 Gr. R.), welches man 2 bis 3 Stunden darauf stehen läßt,dann mittelst eines am Boden angebrachten Zapfens abzieht; dies wird sooft wiederholt, bis das Master fast farblos abfließt. Alsdann behandelt manihn auf dieselbe Weise mit solchem kochenden Wasser, in welchem für jede100 Pfd. Flachs 2 Pfd. Pottasche und 1 Pfd. schwarze Seife aufgelöstworden ist. Nachdem er endlich mit reinem Wasser nachgespült worden,werden die Bündel nicht ausgewunden, sondern einzeln fest durch die Handgezogen und auf Schnuren, die der Sonne nicht ausgesetzt sind, getrocknet.Beim Aufhängen schüttet man jedoch, damit der Flachs nicht stockt, jedesGebündchen mäßig auseinander und sorgt überhaupt für einen lustigenTrockenplatz. Nach einer anderen Verfeinerungsmethode bindet man vondem gereinigten Flachse die beiden Enden einer jeden Handvoll mit einemdünnen Bindfaden zusammen. Sodann löst man für jede 10 Pfd. Flachs3 Pfd. Kochsalz und I Pfd. Pottasche in Wasser auf, bringt den Flachsin einen kupfernen Kessel, gießt jene Lauge mit so viel Wasser, daß derFlachs dadurch hinreichend bedeckt wird, hinzu und macht ein gelindes Feuerunter den Kessel, welches man zwei Stunden lang unterhält, indem manvon Zeit zu Zeit das verdampfende Wasser erneuert. Man nimmt alsdannden Flachs heraus, spült ihn in reinem fließendem Wasser vollkommen ab,und legt ihn eine Nacht in kaltes Wasser, welches man mit einigen Pfd.Kalk versehen harte. Den folgenden Tag wickelt man den aus dem Wassergenommenen und ausgedrückten Flachs über eine hölzerne Walze und läßt! ihn durch Lfenwärme oder sonst gehörig trocknen. Auch soll Flachs verfei-

! nert und zugleich weißer werden, wenn man ihn 6 Stunden lang in Kalk-

wasser legt, dann wäscht, hierauf 6 Stunden lang in einer Flüssigkeit kocht,die aus einer Pottaschenauflösung besteht (für 1 Pfd. Flachs 2 Loth Pott-asche). Das verdampfende Wasser ist immer wieder zu ersetzen. Nachdemder Flachs wieder gespült worden, wird er nochmals in Kalkwasser gelegt,abermals gespült und zuletzt 3 Stunden lang in ein Bad von Schwefel-säure (auf 100 Theile Wasser 1 Theil Schwefelsaure) gebracht. Fernerempfiehlt man, den gebrechten Flachs schichtweise, seiner ganzen Länge nach,in einen großen Bottich zu legen, und ihn dann ganz mit reinem Brun-nenwasser zu bedecken, welches man so oft ab- und zulaßt, bis es klar ab-